Dienstag, 21. November 2017

Chile wählt

Die Präsidentschaftskandidaten im Überblick

Rumbo a La MonedaCandidatos Presidenciales
























Chile Wahlen Präsidenten

Sonntag, 19. November 2017

Chile wählt

Zu den Wahlen in Chile werden viele kritische Stimmen wach, so auch die Problematik des Wassers. Interessant ist in diesem Film der Chilenismus "secos", spanisch für trocken. In Chile bedeutet "secos" aber auch gross, super, cool, stark.

Und genau das ist Chile nicht, was den Wasserhaushalt betrifft:




Chile Wasser, Ungerechtigkeit, Wahlen

Chile wählt

2. Beitrag, den ich zu den heutigen Wahlen in Chile gefunden habe: SRF

Michelle Bachelet tritt ab – eine Bilanz 

Chile hat sich unter der abtretenden Präsidentin Bachelet verändert. Morgen wird ihr Nachfolger gewählt. 
Audio «Chile vor einem Richtungswechsel?» abspielen.

Chile vor einem Richtungswechsel?

3:30 min, aus Echo der Zeit vom 18.11.2017
Michelle Bachelet hat als Präsidentin (2014-2017) Chiles viel erreicht – trotz Fehlleistungen und Skandalen. Nun wird am Sonntag ein Nachfolger gewählt. Klar ist: Das Land hat sich während ihrer Amtszeit gesellschaftlich geöffnet.

Bachelets Erfolge

Ehescheidung als Startschuss: Es ist kein Zufall, dass eine Frau die soziale Ungleichheit zum Thema gemacht hat. Auch nach der Einführung der Ehescheidung (2004) war der Bedarf an Gesellschaftsreformen noch gross. Chile gilt als eines der konservativsten Länder Lateinamerikas.
Abtreibungsverbot gelockert: In Michelle Bachelets Amtszeit wurde dann das totale Abtreibungsverbot aufgehoben. Jetzt sind Schwangerschaftsabbrüche in Sonderfällen möglich, nach einer Vergewaltigung etwa oder wenn die Gesundheit von Mutter und Kind auf dem Spiel steht.
Eingetragene Partnerschaften: Geregelt ist neu auch das Zusammenleben von gleichgeschlechtlichen Paaren mittels eingetragenen Partnerschaften. Bachelets Mitte-Links-Regierung will noch einen Schritt weitergehen: Sie hat dem Parlament ein Gesetz unterbreitet, das Homo-Ehen samt dem Recht auf Kinder-Adoption vorsieht.

Bachelets Misserfolge

Heikle Geschäfte: Das Ansehen der sozialistischen Politikerin ist zu Hause angeschlagen. Umfragen weisen Zuspruchswerte von lediglich 30 Prozent aus. 2015 hatte Bachelets Sohn, der Regierungsfunktionär Sebastián Dávalos, immensen Flurschaden angerichtet: Dank Insiderinformationen riss er sich rechtzeitig zur Umnutzung bestimmtes Agrarland unter den Nagel. Wenig später verkaufte er das Land mit mehreren Millionen US-Dollar Gewinn weiter.
Sebastian DavolosBild in Lightbox öffnen.
Bildlegende:Sebastian Davalos, Sohn von Michelle Bachelet, trat nach der Agrarland-Affäre als Regierungsfunktionär zurück.REUTERS 
Partei im Zwielicht: Später gerieten Persönlichkeiten von Bachelets sozialistischer Partei ins Zwielicht. Niemand hatte stärker unter der blutigen Repression von Militärdiktator Augusto Pinochet gelitten als die Linken. Und ausgerechnet ihnen war nachzuweisen, wie sie sich vom schwerreichen Bergbau-Unternehmer und ehemaligen Pinochet-Schwiegersohn Julio Ponce Lerou über Jahre hinweg hatten schmieren lassen. Dazu wurde bekannt, dass der Vizepräsident der sozialistischen Partei mit einem Drogenkartell zusammenarbeitete.
Halbes Reformprojekt: Mit der Reform, mit der die kostenpflichtige Hochschulbildung abgeschafft werden sollte, hatte sich Präsidentin Bachelet übernommen. Nicht wie versprochen alle, sondern nur 60 Prozent der Studenten aus bescheidenen Verhältnissen können heute kostenfrei studieren. Und bereits fehlt dem Staat das Geld für die Bildungsfinanzierung. Bei der Erhöhung der Unternehmenssteuern kuschte die Regierungskoalition bei einem Hinterzimmer-Deal einmal mehr vor den Banken. Die hatten bestimmt: Bis hierher und nicht weiter.
Polit-Bündnis in Brüchen: Bachelets Bündnis aus Christdemokraten und Sozialisten wirkt heute verbraucht und ist gespalten. Für die kommenden Präsidentenwahlen hat man sich nicht auf einen Einheitskandidaten einigen können.

Wie geht es weiter?

Der mögliche Nachfolger: Rechtsgerichteten Wählern sind die Reformen ein Dorn im Auge. Linksgerichteten Bürgern gingen sie nicht weit genug. Ergebnis: Die Parteien um Bachelet werden bei den Präsidenten- und Parlamentswahlen abgestraft. Was dem rechtsgerichteten Milliardär und Ex-Präsidenten Sebastian Pinera den Weg zurück an die Macht ebnen dürfte.
Hindernis Wirtschaftsordnung: Dem Bündnis fehlt und fehlte der Mut zu Korrekturen an der ultraliberalen Wirtschaftsordnung von Pinochet, die Unternehmer sind eine privilegierte Kaste geblieben, Kapital und Arbeit haben nicht annähernd gleich lange Spiesse. Damit wurde auch die Chance verschlafen, die Wirtschaft zu modernisieren.
Gebeutelte Umwelt: Mit gewaltigen Kosten für die Umwelt kratzt Chile weiter Kupfer aus dem Anden-Gebirge heraus, holzt seine Wälder ab und überfischt sein Meer. Als reiner Rohstoffproduzent überlässt Chile die Mehrwertschöpfung den anderen.

Chile wählt

Heute sind Wahlen in Chile - einem fernen und für viele fremden Land. Allenfalls bekannt als eines der "längsten und vielfältigsten Länder" der Erde. Wir haben 2016 9 Monate in Chile gelebt und gemerkt, der Schein trügt.

Hier eine Berichterstattung vom Deutschlandfunk, geschrieben vom Chefredaktor des Condor, der deutschen Zeitung in Chile, zu den Wahlen, die vieles Zusammenfasst, was wir erlebt haben.

Chile vor den Wahlen
Frust im Vorzeigeland

Knapp 20 Jahre nach dem Ende der Diktatur scheint die junge Demokratie in Chile stabil, die Wirtschaft wächst und der Lebensstandard ist gestiegen. Doch die strahlende Fassade bröckelt - und dahinter macht sich zunehmend Unzufriedenheit breit: Chile leidet unter gravierender sozialer Ungleichheit.
Von Anne Herrberg

Drei Schritte zum Rednerpult, eine schwungvolle Unterschrift, dann hält Michelle Bachelet die dunkelblaue Akte stolz dem geladenen Publikum im Innenhof des Moneda-Palastes entgegen, sie nickt und strahlt in die Kameras und winkt in die Menge.
"Vielen Dank an alle, die uns an diesem Tag unterstützen. Darauf haben die Frauen in Chile seit langem gewartet. Heute unterzeichnen wir - endlich! - das Gesetz, das es Frauen erlaubt, selbst über ihren Körper und ihre Schwangerschaft zu entscheiden - in drei entscheidenden und menschlich schwierigen Fällen."

Chilenen sind unzufrieden

Bei Gefahr für das Leben des Ungeborenen, der Mutter oder nach Vergewaltigungen sind Schwangerschaftsabbrüche nun auch in Chile erlaubt. Es war ein zähes Ringen, der Widerstand von Kirche und Konservativen enorm. Doch nun, kurz vor Ende von Bachelets Amtszeit, ist die Lockerung des absoluten Abtreibungsverbotes in Kraft: Es war ein zentrales Wahlversprechen der inzwischen 66-jährigen Sozialistin, ausgebildeten Ärztin und ersten Frau an der Spitze dieses erzkonservativen Landes.
"Ohne Zweifel: Heute ist Chile ein besseres Land geworden. Vielen Dank!"
Der Applaus tut ihr gut. Michelle Bachelet, die bereits von 2006 bis 2010 regiert hat, darf zwar nicht wieder antreten. Doch geht es in diesen Tagen auch um ihr politisches Erbe. Chile, hatte sie den Wählern zu Beginn ihrer zweiten Amtszeit vor vier Jahren angekündigt, sollte nicht nur wirtschaftlich blühen, sondern auch moderner werden, weltoffener und sozial gerechter: Das Bildungs- und Rentensystem sollten grundlegend reformiert und eine neue Verfassung erarbeitet werden - die jetzige stammt noch aus den Zeiten der Pinochet-Diktatur. Doch die Bilanz ist mau. Glaubt man den Umfragen, so sind heute 70 Prozent der Chilenen unzufrieden mit ihrer Politik - den einen war sie zu forsch, den anderen zu träge.

Hoffnung auf einen Hafen - und Touristen

Knapp 100 Kilometer von Santiago entfernt: Wie ein riesiger, eisblauer Spiegel breitet sich der Pazifik vor San Antonio aus. Am Horizont die Lastkräne des Industriehafens. In der ausladenden Bucht liegen große Frachtkähne neben schaukelnden Fischerbooten und der Glasfront des neuen Shopping-Centers. Davor, am Pier, der alte Fischmarkt. Seehunde und Pelikane lümmeln sich auf den von der Sonne gewärmten Felsen.
"Se siente, man spürt es, Guillier wird Präsident", ruft voller Optimismus das Grüppchen, das sich bewaffnet mit Flaggen und Flyern der Regierungskoalition "Nueva Mayoria" zwischen Marktständen vorwärts schiebt. Wahlkampf zwischen Sardinen, Kabeljau und Krustentieren. Alejandro Guillier ist offizieller Nachfolgekandidat der aktuellen Regierungskoalition.
"Der Hafen von San Antonio wird zum größten Containerhafen in Zentralchile ausgebaut und besser vernetzt, das wird nicht nur den Handel in Schwung bringen, sondern auch den Tourismus und den Dienstleistungssektor."
Der 64-jährige Soziologe mit grau melierten Schläfen weiß, was die Wähler hier an der Küste umtreibt - der Hafenausbau ist seit 2009 geplant, gemeinsam finanziert von Staat und privaten Investoren. Doch das Megaprojekt ist ins Stocken geraten, parallel zum Wirtschaftswachstum. Es sank von den gewohnten Rekordraten von fünf Prozent auf nur mehr zwei Prozent. Die Exporte sind eingebrochen, Investitionen ausgeblieben und die Arbeitslosigkeit gestiegen. Guillier sagt:
"Unser Problem ist, dass wir hauptsächlich Rohstoffexporteure sind. Unsere Wirtschaft hängt stark von den Schwankungen der Weltmarktpreise für Kupfer und unserer anderen Exportprodukte ab. Das ist ein strukturelles Problem: Der Schlüssel liegt in der Bildung und in der Diversifizierung. Lösungen haben wir auf den Weg gebracht."

"Der versteht was vom Geschäft"

Es stimmt: Reformen wurden angestoßen, doch vieles blieb Stückwerk. In der einstigen Hochburg der Linken glauben viele den Versprechen der Regierung nicht mehr. Auch Jonathan Varas nicht. Drei Lastwagen, fünf Angestellte und einen unbezahlten Kredit hat er, seiner kleinen Logistikfirma sind in den letzten Jahren 20 Prozent der Aufträge weggebrochen.
"Diese Regierung war nicht gut für die Wirtschaft, es gab weniger Exporte, nun haben die am Hafen auch noch gestreikt. Ich habe eine Familie zu ernähren, muss meine Rente und die Kredite abbezahlen. Wir brauchen mehr Arbeit und nicht nur schönes Gerede. Ich vertraue da mehr auf Piñera, der versteht wenigstens was vom Geschäft und weiß, wie man Investitionen und Kapital anlockt."
Zumindest hat er die besten Aussichten. Sebastián Piñera - weltweit bekannt geworden zu Beginn seiner ersten Präsidentschaft 2010, als er mit Helm und viel Pathos an der Grube von San José stand und 33 verschüttete Bergleute persönlich empfing. Heute hat er die Kameras auf den Stadtberg Cerro San Cristóbal geladen, eine grüne Oase über der hektischen Hauptstadt.  
"Wir befinden uns an einem sehr wichtigen Ort für Santiago. Seit Jahrhunderten hat er den Reisenden den Weg gewiesen. Die Mapuche-Ureinwohner nannten ihn Tupáhue, den Wächter-Berg."
Am Horizont die schneebedeckten Andengipfel, unten im Tal die Glasfronten der Geschäfts- und Restaurantviertel mit dem 300 Meter hohen Gran Torre Santiago, dem größten Wolkenkratzer Südamerikas. Eine Art Phallussymbol der chilenischen Boomjahre, für die auch Piñera steht. Nun gilt der rechtskonservative und steinreiche Unternehmer wieder als aussichtsreichster Kandidat. Heute stellt er ein Projekt zum Tierschutz vor.
"Wie Ghandi schon sagte: Man kann eine Gesellschaft daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt."

Piñera - immer auf der Gewinnerseite

Der Golden Retriever, dem er für die Kameras übers Haupt kraulen will, wendet sich knurrend ab. Und Piñera macht sich daran, die Vorgänger zu kritisieren.
"Diese Regierung hat wirtschaftlich unverantwortlich und inkompetent gearbeitet. Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung sind hoch, das schreckt Investoren ab. Chile ist wie ein Auto mit festgezogener Handbremse, wir müssen wieder den Weg des Fortschritts und der Entwicklung einschlagen. Das bedeutet nicht nur wirtschaftliches Wachstum. Es bedeutet auch, als Land zusammenzustehen, dass es mehr Sicherheit gibt und wir gegen Gewalt und Kriminalität vorgehen. Es bedeutet aber auch, keinen Missbrauch zu dulden und die Schwächsten zu unterstützen."
Piñera ist katholisch-konservativ, aber kein Ideologe, sondern eher ein pragmatischer Geschäftsmann: Elite-Schule, Promotion in Harvard, er hielt Anteile an der größten chilenischen Fluggesellschaft, einem TV-Sender und ist bis heute am populären Fussballclub "Colo Colo" beteiligt. Den Grundstein zu seinem Vermögen legte er während der Pinochet-Diktatur - unter anderem mit der Einführung von Kreditkarten. Politisch ging er auf Distanz zu den Militärs, stimmte beim Referendum 1988 öffentlich gegen den Verbleib Pinochets im Amt.Piñera ist einer, der immer auf der Gewinnerseite steht - dafür bewunderten ihn viele, sagt Wirtschaftsphilosoph Eugenio Yañez.
"Unser neoliberales Modell sagt uns, dass Erfolg ausschließlich wirtschaftlich messbar ist. Alles ist Wettbewerb, du musst ein "Winner" sein, das ist, was zählt. Und wenn du das Geld gerade nicht hast, dann zahlst du eben in Raten. Wenn eine Kreditkarte gesperrt ist, wird die nächste belastet - und so weiter. Dafür gibt es ein eigenes Wort: das Fahrradprinzip. 80 Prozent der Chilenen sind verschuldet."

Neoliberalismus - Erbe der Diktatur

In Chile regiert der Kapitalismus stärker als anderswo - auch das ist ein Erbe der Militärdiktatur Augusto Pinochets. 1973 sollte nicht nur die sozialistische Regierung von Salvador Allende ausgelöscht werden, sondern auch ihre Idee von Umverteilung und sozialer Gerechtigkeit. Die Chicago Boys, chilenische Anhänger des US-Ökonoms Milton Friedman, sorgten für die Privatisierung nahezu aller Wirtschaftsbereiche und reduzierten die Rolle des Staates auf ein Minimum. Chile wurde zu einem Experiment des Neoliberalismus, weit über das Ende der Diktatur 1990 hinaus. Und es galt damit lange als Vorzeigeland Südamerikas: Keiner der Nachbarstaaten ist in den letzten 25 Jahren so sehr gewachsen. Unternehmen schwören auf den sicheren Investitions-Standort, Inflation und Arbeitslosigkeit waren gering. Doch heute sagen selbst Konservative wie der Wirtschafts-Philosoph Yañez:
"Wenn eine Metapher erlaubt ist: Für mich ist Chile wie ein schönes und bunt angestrichenes Haus. Wenn man von außen draufblickt, scheint alles perfekt. Aber drinnen sieht es ganz anders aus."
Chile ist der OECD-Staat mit der größten sozialen Ungleichheit. Heute besitzt ein Prozent mehr als ein Drittel des Reichtums des Landes. Während 14 von Hundert Chilenen unter der Armutsgrenze leben. Als Mittelschicht gilt dagegen bereits, wer den staatlichen Mindestlohn von umgerechnet rund 330 Euro verdient - bei Lebenshaltungskosten ähnlich der in Deutschland. Davon kann niemand leben.
Ein klapperndes Wellblech als Dach, eine aus Paletten, Planen und alten Türen zusammengezimmerte Wand, die Straße im Sommer staubig, im Winter matschig. Statt eines Autos gilt hier schon ein Pferdekarren als Luxus - das ist der Alltag von Gloria Gonzalez. Sie lebt weit weg vom glitzernden Zentrum Santiagos: in Las Islas am Stadtrand.

Prekäre Armensiedlungen ohne Strom

"Ich bin hier hergekommen, weil ich nirgendwo sonst hinkonnte. Wir lebten auf einer Parzelle, der Besitzer starb - und wir mussten gehen."
Eine Mietwohnung kann sich Gloria Gonzalez von ihrem Putzfrauenlohn nicht leisten. Wie rund 120.000 Menschen im 17 Millionen-Einwohnerland Chile lebt sie nun in einem Campamento, wie diese prekären Armensiedlungen genannt werden. Ohne fließendes Wasser, der Strom wird abgezwackt, der Müll selbst verbrannt. Seit zehn Jahren wartet Gloria nun schon auf eine Sozialwohnung, für die sie der angrenzenden Gemeinde bereits eine Anzahlung leisten musste. Tag und Nacht hat sie dafür geschuftet. Nun leidet die 56-Jährige unter Faser-Muskel-Schmerzen - das hatte gerade noch gefehlt.
"Wenn jemand krank wird, muss man Wunder vollbringen. Eine private Sprechstunde kann ich mir nicht leisten, und im öffentlichen System halten sie dich am Leben. Mehr nicht. Die Wartezeiten sind ewig lang. Mein Vater zum Beispiel hatte Prostatakrebs, aber er ist gestorben, bevor er einen Termin beim Spezialisten bekam. Die Leute sterben im Wartezimmer, das ist eine Schande."
Chile ist eines der wenigen Länder weltweit, das sein Sozialversicherungssystem fast vollständig privatisiert hat: Gesundheit, Bildung und auch die Renten - alles ist ein Geschäft, daran haben auch die angestoßenen Reformen der Regierung Bachelet wenig verändert. An den horrenden Gebühren verdienen vor allem die Banken. Wer sich nicht selbst helfen könne, rutsche ab, sagt Gloria - der Wind trägt die Musik eines Gottesdienstes herüber, besonders evangelikale Gemeinden haben hier am Stadtrand Zuwachs.

Korruption und Vetternwirtschaft blühen

Die Politiker schaufelten sich doch ohnehin nur in die eigene Tasche, schimpft auch ihre Nachbarin Pamela Aucares. Zuletzt wurden immer mehr Korruptionsfälle bekannt. Sechs bis acht Familienkonzerne, die die chilenische Wirtschaft quasi unter sich aufgeteilt haben, haben Politiker jeglicher Couleur geschmiert. Selbst Bachelets eigener Sohn war in einen Skandal um Vetternwirtschaft verwickelt. Gloria und Pamela schütteln den Kopf. Das Vertrauen in die Politik haben sie längst verloren.
"In diesem Land geben die Mächtigen uns armen Familien keine Chance. Unsere Kinder sollen sich nicht weiterentwickeln, seien wir doch mal ehrlich. Weil sie Angst davor haben, dass die Armen aufsteigen. Denn sie brauchen uns doch als billige Arbeitskräfte, denen sie einen Hungerlohn zahlen können, während sie sich einen schönen Lenz machen. Und wenn du dein Recht einforderst, dann schmeißen sie dich raus."

Proteste und Bürgerbewegung ändern nichts

Gonzalo Winter hat sich Wasserwerfern, Tränengas und Polizeiknüppeln entgegengestellt - wie viele andere Studenten auch, die seit 2011 für kostenlose Bildung und ein gerechteres Sozialsystem protestieren. Gonzalo ist 30, hat Jura studiert, auf den vierstelligen Kredit, den er aufnahm, um die umgerechnet fast 5.000 Euro pro Semester zahlen zu können, gab es sechs Prozent Zinsen. Er ist bis heute verschuldet - dazu kommen die monatlichen Beiträge für die private Rente.
Deswegen steht Gonzalo heute mit 50 anderen Freiwilligen, mit Pauken und Trompeten vor dem Präsidentenpalast La Moneda - Dreh für einen Wahlkampfspot des "Frente Amplio", einer Bürgerbewegung, die die Regierungskoalition von links herausfordert. Gonzalo kandidiert fürs Parlament.
"Der Frente Amplio ist aus den Bürgerprotesten der letzten Dekade gegen dieses System hervorgegangen. Wir haben alle genug von der Art, wie Politik bisher betrieben wird. Aber trotz jahrelanger Proteste sind die Gesetze die gleichen geblieben. Es gab zwar einige Reformen, aber die einzigen, die einen grundlegenden Wandel fordern, sind wir. Wenn man gegen die Strukturen kämpfen will, dann innerhalb der Institutionen."

Mitte-Links-Parteien zersplittert

Seit Ende der Militärdiktatur stehen sich in Chile nur zwei große Parteienbündnisse gegenüber. Auf der einen Seite die rechtsgerichteten Konservativen - auf der andere die Concertación, was wörtlich übersetzt "Absprache" bedeutet. Daraus wurde ab 2013 Michelle Bachelets Mitte-Links-Koalition Nueva Mayoria, die "Neue Mehrheit". Das Bündnis - in dem von Christdemokraten bis Kommunisten ein enormes Spektrum vertreten war, erwies sich als träge und ist zerstritten - so haben sich die Christdemokraten mit einer eigenen Kandidatin abgespalten.
"Die Concertación und ihr Nachfolger, die Nueva Mayoria, waren das erfolgreichste politische Projekt der Demokratie. Sie haben die Stabilität garantiert, aber eben auch ein Fortbestehen der Eliten und des neoliberalen Wirtschaftsmodells der Diktatur mit Klüngel und Korruption. Damit haben sie sich immer weiter von den Bürgern entfernt, und daran scheitern sie gerade."
Viele Gründungsmitglieder der Frente Amplio gehören einer neuen Generation an, die nach dem Ende der Diktatur aufgewachsen ist. Sie fordern ein neues Wirtschaftsmodell, mehr Bürgerbeteiligung, einen neuen Sozialpakt. Manche vergleichen sie mit linkspopulistischen Parteien wie Podemos in Spanien - auch in dem Sinne, dass die Bewegung im Grunde eher den Rechtskonservativen in die Hände spielen könnte. Je zersplitterter das Mitte-Links-Spektrum, umso mehr Stimmen für Piñera. Der führt die Umfragen deutlich an - der Zweitplatzierte, Mitte-Links-Kandidat Guillier, hätte in einer Stichwahl nur dann eine Chance, wenn ihn die Frente Amplio unterstützen würde - doch dazu möchte sich deren Spitzenkandidatin Beatriz Sanchez noch nicht äußern.

Die Vergangenheit lastet schwer

"Die Frage ist: Wollen wir Chile verändern und endlich das Erbe der Diktatur abschütteln oder nicht. Mit der Nueva Mayoria treten wir weiter auf der Stelle. Und Sebastian Piñera bedeutet einen enormen Rückschritt, selbst wenn man die kleinen Reformen betrachtet, die es gegeben hat. Wir sind in den letzten 20 Jahren einem Rezept gefolgt, in dem die immer gleiche Elite die Regeln festgesetzt hat - aber dagegen regt sich Protest. Das kann man nicht mit Geld regeln oder mit Gewalt unterdrücken. Die Lösung ist eine Politik, die alle mit einbezieht, in einem offenen und ehrlichen Dialog. Das fehlt in Chile."
Das Erbe der Vergangenheit lastet bis heute schwer auf dem Land. Die Gräben, die sich durch die Gesellschaft ziehen, sind groß - die Probleme vielschichtig. Chiles zukünftige Regierung steht vor der großen Herausforderung, das Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen.

Mittwoch, 13. September 2017

Gebete

GOTT
Gib, dass alle, die dich suchen, dich finden.
Und alle, die dich gefunden haben, dich aufs Neue suchen,
bis all unser Suchen und Finden erfüllt ist von deiner Gegenwart.
(Hermann  Bezzel)

Gebete,

Dienstag, 15. August 2017

Festbank

Für Festbänke in Frauenfeld kenne ich diese Adressen:
 079 696 57 40
Festbank

Montag, 31. Juli 2017

Pastores y reyes - spanisches Weihnachtslied

Pastores y reyes vengan a ver al niño que nacìo
sigamos todo la estrella que ade llevarnos
hasta belen
(bis)
desde el cielo bajo un angel que al hio de
dios anuncio
aleluya aleluya
aleluya aleluya
(bis)

- Mazapan




SIm
Pastores y reyes
FA#        SIm
vengan a ver
   RE    LA     RE
al niño que nació
MIm                  SIm
sigamos todos la estrella
       FA#                  SIm
que han de llevarnos hasta Belén
MIm                         SIm
sigamos lodos la estrella
FA#                     SIm
que ha de llevarnos hasta Belén

SIm    FA#     SIm
Desde el cielo bajo
RE              LA
un ángel que al hijo
SIm        FA#
de Dios anunció
     MIm      SIm     FA#         SIm
://Aleluya, aleluya aleluya, Aleluya ://



Weihnachten, Hirten und Könige, Lied

Donnerstag, 20. Juli 2017

Glauben wie die Kinder

G.K. Chesterton

"Weil Kinder über Vitalität im Überfluss verfügen, weil sie leidenschaftlich im Geiste und frei sind, mögen sie die Dinge sich wiederholend und unverändert. Sie sagen immer 'Nochmal', und der Erwachsene tut dies, bis er dem Tode nah ist. Denn der Erwachsene ist nicht stark genug für Monotonie. Aber vielleicht ist Gott stark genug, sich einer solchen Monotonie zu erfreuen. Es ist möglich, dass Gott jeden Morgen "Nochmal" zur Sonne sagt und jeden Abend zum Mond "Nochmal". Es mag keine automatische Notwendigkeit sein, dass Gänseblümchen alle gleich aussehen; es mag viel mehr sein, dass Gott jede einzelne Blume erschafft und nie dessen müde wird. Und es mag sein, dass Er das ewige Wesen eines Kindes hat; denn wir [Menschen] haben gesündigt und sind alt geworden, und daher ist unser Vater jünger als wir."

Matthäus 18, 3: und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

Montag, 17. Juli 2017

Lachen und Humor

7 Schritte zum Humor: www.laughterremedy.com

Aus www.bildungskirche.ch

Interview mit Prof. Dr. phil. Werner Wicki ist Dozent für Pädagogische Psychologie und Prorektor Forschung und Entwicklung an der Pädagogischen Hochschule Luzern. Zu einem seiner Arbeitsschwerpunkte gehört die Humorentwicklung.

«Ich bin kein besonders humorvoller Mensch»


Werner Wicki weiss, wann ein Witz funktioniert, uns Lustiges Erleichterung verschafft und wann der Spass aufhört. Zu seinen Spezialgebieten gehört die Humorforschung.
 

Juliane Hartmann: Herr Wicki, warum findet jemand etwas lustig?
Werner Wicki: Nicht alles, was als lustig intendiert wird, findet der Rezipient auch lustig. Über einen fremdenfeindlichen Witz kann ich nicht lachen, auch wenn die Witzkonstruktion an sich stimmt. Eine Voraussetzung für einen gelungenen Witz ist, dass Geschmack oder Einstellung der erzählenden und der zuhörenden Personen übereinstimmen. Bei Ärzte-, Psychiater- oder Pfarrerwitzen beispielsweise muss man testen, ob das Gegenüber etwas Selbstkritik aushalten kann. Humorproduktionen beziehen sich auch auf eine bestimmte Schwäche, die übertrieben dargestellt wird. So wie bei einem Cartoon, in dem zum Beispiel die Haartolle von Trump überzeichnet wird.
Gibt es eine Grenze? Wann ist fertig lustig?
Es gibt keine objektiven Kriterien. Die Grenzen sind von vielen Faktoren abhängig. Hilfreich finde ich die Differenzierung zwischen telic state und paratelic state. Wenn ich im telic state, also zielgerichtet, unterwegs bin, ist Humor nur störende Ablenkung. Wenn ich dagegen im paratelic state spielerisch die vergnügliche Seite einer Tätigkeit oder Situation wahrnehme, kommt mir Humor gelegen. Humor und Kreativität haben eine enge Verwandtschaft. Ich denke, dass nur  wenige Leute richtig gute Witze erfinden.
Wie wird  ein Witz erfunden und richtig konstruiert?
Im Witz gibt es einen klaren Aufbau. Zuerst werden die verschiedenen Akteure in der richtigen Reihenfolge eingeführt und ihnen ihre Rollen zugewiesen. Damit wird die  Pointe vorbereitet. Wenn das richtige Wort oder die richtige Formulierung dann nicht kommt, ist der Witz unrettbar kaputt. Viele Leute lachen trotzdem; wegen der lustigen Stimmung in einer Gruppe, denn Witze leben vom Publikum. Im Zweiergespräch wird kaum je ein Witz erzählt. Witze haben zudem eine grosse Kohäsionswirkung nach innen und Abgrenzungsfunktion nach aussen.
Über was lachen Sie?
Über gute Witze gerne. Ich bin allerdings, wie viele Humorforscher, kein besonders humorvoller Mensch. Wobei ich schon sensibilisiert bin und mich genauer beobachte, über was ich lache.  Wichtig finde ich Humor auch als Coping-Strategie – wenn ein Problem auftaucht, könnte man dem  mit Humor begegnen. Wenn ich zum Beispiel den Bus verpasse, könnte ich mich furchtbar aufregen – oder ich kann mich ein Stück weit von mir selber distanzieren: Jetzt warte ich ab, was passiert – diese Technik hat wenig mit Lachen zu tun, sondern ist mehr eine innere Haltung, eine Distanzierung von dem, was unmittelbar ist, von der unmittelbaren Zielverfolgung, dem telic state.
Kann Humor auch Lebenshilfe bieten?
Natürlich! Lustig finde ich immer wieder den Spruch von Woody Allen: Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich möchte nur nicht dabei sein, wenn es passiert. Wir alle haben Angst vor dem Tod – und natürlich werden wir dabei sein. Diese Verkehrung des Unausweichlichen lässt mich schmunzeln. Was uns unlösbar scheint, können Worte ins Lustige wenden und uns damit Erleichterung verschaffen. So funktionieren auch Ehewitze!
    
Das braucht ein rechtes Mass an Selbstdistanzierung – ist das für alle Menschen möglich?
Paul McGhee hat ein Humortrainingsprogramm entwickelt – typisch amerikanisch. Da gibt es verschiedene Übungen: Entdecke den Humor in deinem Alltag! Was erheitert dich? Erfinde Wortspiele! Versuche, in einer Stresssituation humorvoll zu reagieren! Das ist allerdings etwas vom Schwierigsten.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht ...
Eben – Heiterkeit gehört auf jeden Fall auch zum Humor.Es gibt Menschen, die sind eher extravertiert und haben meist einen sehr positiven Affekt, ähnlich wie Hans im Glück. Das hilft natürlich enorm im Leben. Mich hat im Vergleich zu dieser Art Heiterkeit stets mehr die Produktion von Humor interessiert: Wie wird Humor «gemacht», mit welchen sprachlichen und intellektuellen Mitteln?
Da müssten Pfarrer/-innen prädestiniert sein, doch Humor steht bei uns nicht direkt im Zentrum ...
Das war  nicht immer und überall so. In der Kirchengeschichte war der Humor z.B. in der Gegenreformation wichtig – und auch in anderen Teilen der Welt ist das , was in der Kirche passiert, mit Lachen und Freude verbunden – während das bei uns oft eine sehr ernste Angelegenheit ist. Im Roman «Der Name der Rose» greift Umberto Eco auf, was das Gefährliche am Lachen ist: es überwindet die Furcht. Der Pfarrer der Kirche in unserem Dorf hat in Amerika studiert. Er arbeitet häufig mit positiven Emotionen. Freude und Heiterkeit schaffen eine gute Grundstimmung. In andern Kirchen vernehme ich oft die ernste und gewichtige Botschaft: Das – Leben – ist – sehr – schwer – zu – ertragen. Das ist nicht die Wirklichkeit, die wir erleben oder erleben möchten! Auch die Taufe ist doch eigentlich ein freudiger Anlass. Etwas mehr Humor wäre da durchaus möglich. Viele Humorproduktionen gehen nicht auf Kosten von anderen. Schöne Wortspiele, die einfach Freude machen, im Sinn von Originalität und Überraschung. Eine Inkongruenz, die man auflösen muss. Da braucht es dann Nachdenken, wie bei fast allen Witzen!
Haben Sie als Humorforscher Wünsche an Pfarrer und Pfarrerinnen?
Pfarrpersonen sollten Humor und  das, was  Humor kann, besser nutzen. Sie könnten beispielsweise  fröhlichere Rituale gestalten. Und sie sollten auch über eigene Fehler lachen, so wie ein Lehrer, dem an der Wandtafel die Kreide abbricht, die Wahl hat, darüber zu lachen oder sich zu ärgern. Unter dieser Form von Humor leidet die eigene Autorität nicht. Interessante Hinweise kommen auch von der Versprecherforschung.  Ein Radiosprecher hat einmal gesagt: «Sie hörten die H-Mess Molle, Verzeihung die H-Moss Melle von Johann Sebaldrian Bach». Versprecher sagen auch etwas über das Wesen des Humors: nämlich, dass etwas ganz anders kommen kann, als man es erwartet hat.


Humor, Lachen,

Mittwoch, 12. Juli 2017

Inklusion

Wir müssen aufhören, Menschen mit Down-Syndrom zu bemitleiden
von CLARA PORAK, von vice.com

"Mein Bruder hat Down-Syndrom", sage ich. "Oh, das tut mir leid", höre ich einige Sekunden später – wie so oft.

"Mami, ich bin kein Kind mehr, ich hab Rückenhaare", ruft Matthias empört und seine tiefe Stimme ist im ganzen Gastgarten zu hören. Familienessen beim Heurigen. Während uns die Gäste an den umliegenden Tischen leicht verstört anschauen, brechen wir in schallendes Gelächter aus.

Das sind wir gewohnt, denn mein kleiner Bruder Matthias war schon immer ein bisschen anders. Vor siebzehn Jahren wurde er mit einer genetischen Mutation am einundzwanzigsten Chromosom geboren, bekannt als Trisomie 21 oder Down-Syndrom. Seitdem gehört es für mich zum Alltag, charmante Witze wie "Ach, das fragt er mich gerade auch ständig!" zu machen, wenn mein kleiner Bruder mal wieder eine etwas beleibtere Frau fragt, ob sie schwanger ist.

Schon im Kindergarten konnte ich den anderen erklären, was ein Chromosom ist und mir wurden vor dem Schlafengehen Bücher über Vielfalt und Behinderung vorgelesen. Ich weiss ausserdem seit ich sprechen kann, wie es ist, in allen möglichen Situationen erklären zu müssen, was "los ist" mit meinem Matthias. Und das nervt.

"Mein Bruder hat Down-Syndrom", sage ich mal wieder auf einer Party, weil mein Gegenüber gefragt hat, warum mein 17-jähriger Bruder Mama-Muh liest. "Oh, das tut mir leid" höre ich einige Sekunden später – wie so oft.

Genau da fängt Inklusion an. Man darf nie vergessen, dass er vor allem ein Mensch ist.

Mal wieder weiss ich nicht, was ich sagen soll. Weil es ja nicht böse gemeint ist, weil mein Gegenüber nett sein will und dabei so ziemlich alles falsch macht. Denn die eine Sache, die ich meinem Bruder nicht wünsche, ist Mitleid. Ich meine nicht die Art von Mitleid, die man mit jemandem hat, der drei Tage vor seiner Maturareise Pfeiffer'sches Drüsenfieber bekommt. Mitleid ist oft wichtig und wunderschön. Aber eben nicht die Art von Mitleid, die man mit Menschen hat, weil sie sind, wer sie sind. Weil sie eine Behinderung haben, zum Beispiel.

"Ist doch nett gemeint, die sind ja arm, so mit Rollstuhl und ständigen Krankenhausbesuchen", könnte man jetzt vielleicht denken. Aber ich sage: Nein. Menschen mit Behinderung sind nicht zwingend arm – zumindest nicht aufgrund der Tatsache, dass sie eine Behinderung haben. Natürlich tut mir mein Bruder manchmal leid. Aber das hat dann eher weniger mit seiner Trisomie 21 zu tun, sondern vielmehr damit, dass er Skoliose hat, sich vor einer Operation fürchtet oder dass er mit Grippe im Bett liegt.

Mein kleiner Bruder ist aber nicht nur hin und wieder arm und hilflos, sondern auch lebensfroh, mutig, kreativ und unglaublich nervig. Er wird immer zuerst Bruder, Sohn, Freund, Schüler, traurig, gut gelaunt oder ratlos sein. Und dann kommt die Behinderung.

Sich das in Erinnerung zu rufen, ist eine bewusste Entscheidung, die ich jeden Tag treffen muss. Weil ich meinem Bruder sonst das Menschsein aberkenne. Ich weiss, das klingt dramatisch, aber es ist wahr.

Wenn man mit einem Bruder mit Behinderung aufwächst, wird die eigene Vorstellung von Normalität immer wieder radikal erschüttert. Das halte ich für sehr wertvoll.

Denn wenn mein Bruder meine Schokolade aufisst, nicht ins Bett gehen will, oder sich weigert zu duschen, ist er nicht arm. Trotzdem fällt es mir manchmal schwer, streng zu werden. Nicht nur, weil er einerseits wahnsinnig süss ist, sondern weil ich mich hin und wieder selbst dabei ertappe, wie ich ihn bemitleide. Als würde er nicht verstehen, als hätte er ein bisschen Extrabehandlung verdient, als sei ihm zumindest diese kleine Freude vergönnt.

Es ist einfach, ihn so in den eigenen Gedanken zu einem Opfer zu machen, in bestimmten Situationen als arm und bedürftig wahrzunehmen. Es gibt einem ein Gefühl von Überlegenheit, als würde er unbedingt Hilfe brauchen, mich brauchen. Er braucht mich nicht, er liebt mich. Aber Liebe ist immer mit Risiko verbunden.

In solchen Momenten könnte ich mich selbst ohrfeigen. Denn genau da fängt Ausgrenzung an. Vier Minuten später jage ich ihn wild durch die Wohnung, wir lachen gemeinsam. Genau da fängt Inklusion an. Man darf nie vergessen, dasser vor allem ein Mensch ist.

Das Ganze geht auch so weit, dass ich Mitleid mit mir selbst habe. Da sitze ich dann, sehe ihm zu, wie er im Garten spielt und frage mich, ob er jemals eine Arbeit oder eine Frau haben, und was er mit seinem Leben anstellen wird.

Auch das ist falsch. Jeder 17-Jährige ist mit der Suche nach Sinn konfrontiert, niemand weiss, ob mal etwas aus ihm werden wird und was dieser Ausdruck überhaupt bedeutet. Meinem kleinen Bruder ist es vollkommen egal, ob er Geld verdient, er will vor allem Spass haben. Er will gerade eigentlich auch kein eigenständiges Leben führen, er will Kommissar bleiben und seine Kriminalfälle lösen, mit imaginärem Hund an der Seite. Ich bin diejenige, die will, dass er ein normales Leben hat. Aber was heisst das eigentlich?

Was ist ein gutes Leben? Das von meinem Bruder ist sicher eines.

Wenn man mit einem Bruder mit Behinderung aufwächst, wird die eigene Vorstellung von Normalität immer wieder radikal erschüttert. Das halte ich für sehr wertvoll, denn es ist leicht, sich in einer Welt voller Regeln zu verlieren. Die Maxime, dass Leistung glücklich macht, war so lange etwas, das ich für unerschütterlich hielt. Mein Bruder beweist mir immer wieder das Gegenteil. Ihm habe ich zu verdanken, dass ich mir ständig Fragen stelle: Warum muss mein Bruder so wenig und ich so viel? Was darf man, was soll man, was verbieten wir uns und warum? Was ist ein gutes Leben? Das von meinem Bruder ist sicher eines.

Also hören wir doch auf, jemandem mit Behinderung ein "normales" Leben zu wünschen. Er oder sie hat es nämlich schon. Was sich ändern muss, ist unser Begriff von Normalität, denn wenn Matthias stolz durch das ganze Lokal brüllt, dass er Rückenhaare hat, dann ist das nicht ihm peinlich, sondern mir. Vielleicht sollten wir alle ein bisschen mehr wie mein Bruder sein, soziale Normen in Frage stellen und stolz auf das sein, das wir haben. – Rückenhaare zum Beispiel.

Inklusion, Downsyndrom Integration Behinderung

Dienstag, 11. Juli 2017

Taize wandelt sich

Taizé - so sagen einige langjährige Kenner, werde immer katholischer. Seit der Gründer, der reformierte Pfarrer Roger Schütz gestorben ist, hat der katholische Frere Alois die Leitung.

Sichtbar wird es auch rein optisch - früher war vorne eine schlichte Mitte, jetzt ein dominanter katholischer Altar.


Offiziell dürfen nach katholischer Lehre nur Katholiken die eine Erstkommunion hatten und nicht geschieden sind, die Kommunion empfangen. In vielen katholischen Kirchen und in Taizé wird darauf nicht geachtet und es sind alle eingeladen.

Dennoch gibt es eine Alternative: Das gesegnete Brot. Es ist aber wohl kein Zufall, dass gesegnetes Brot nur von jungen Männer ausgeteilt wird? Ich habe noch nie eine junge Frau gesehen, die das Brot austeilt. Zudem hat es immer zu wenig gesegnetes Brot. Auch auf nachfrage am Anfang in der Woche, bei der viele evangelische Christen in Taizé waren, die keine Eucharistie nehmen wollten, hatte es nicht genügend gesegnete Brot.

Taizé Katholisch Evangelisch Kommunion Eucharistie Abendmahl Ökumene 

Montag, 26. Juni 2017

Pool

Interessantes Pool Konzept - Terramare www.meintopf.ch
Erhältlich ist der Pool in den Längen 4.5 Meter und 5.8 Meter. Die Breite ist 2.6 Meter und die maximale Tiefe beträgt ca. 1.5 Meter.



Kosten: Dieser wunderbare Pool muss man sich ab 150'000 Fr. leisten wollen....

Weiter Pool Anbieter:
Haus, Wohnen, Pool, Schwimmbad, banden

Mittwoch, 21. Juni 2017

Ferienjob

Stellenportal für Ferienjobs und temporäre Arbeit, auch wenn man jemand such:

Interessant ist, dass Coople die ganze Lohnbuchhaltung macht. Würde mich interessieren zu welchem Preis.


Job Jobs, Arbeit Stellen, Stelle, Arbeitslos

Donnerstag, 15. Juni 2017

Schule der Tiere

Eine Geschichte zum Nachdenken über den Sinn der Differenzierung




Es gab einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine Schule. Der Unterricht bestand aus Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern unterrichtet.

Die Ente war gut im Schwimmen, besser sogar als der Lehrer. Im Fliegen war sie durchschnittlich, aber im Rennen war sie ein besonders hoffnungsloser Fall. Da sie in diesem Fach so schlechte Noten hatte, musste sie nachsitzen und den Schwimmunterricht ausfallen lassen, um das Rennen zu üben. Das tat sie so lange, bis sie auch im Schwimmen nur noch durchschnittlich war. Durchschnittliche Noten waren aber akzeptabel, darum machte sich niemand Gedanken darum, außer: die Ente.

Der Adler wurde als Problemschüler angesehen und unnachgiebig und streng gemaßregelt, da er, obwohl er in der Flugklasse alle anderen darin schlug, darauf bestand, seine eigene Methode anzuwenden.

Das Kaninchen war anfänglich im Laufen an der Spitze der Klasse, aber es ertrank fast im Schwimmunterricht und musste von der Schule abgehen trotz des vielen Nachhilfeunterrichts im Schwimmen.

Das Eichhörnchen war Klassenbester im Klettern, aber sein Fluglehrer ließ ihn seine Flugstunden am Boden beginnen, anstatt vom Baumwipfel herunter. Es bekam Muskelkater durch Überanstrengung bei den Startübungen.

Die mit Sinn für’s Praktische begabten Präriehunde gaben ihre Jungen zum Dachs in die Lehre, als die Schulbehörde es ablehnte, Buddeln in den Unterricht aufzunehmen.

Nachdem der Aal sich geweigert hat zu klettern und zu fliegen wurde die Schule geschlossen.

Quelle: „Legasthenie muss kein Schicksal sein“ von E.-M. Soremba; Lehrerin ; Herder Verlag 1995

Siehe auch Buch: Wenn die Ziege schwimmen lernt

Integration Individuum

Sonntag, 4. Juni 2017

Kirche Vision


Eine Strategie für die Zukunft parzipativ mit allen Kirchgemeinden entwickeln. Genialer Task, ausgeführt durch die Berner Landeskirche:

Hier der Artikel im "Bund" dazu

Es ist eine Vision, die zur reformierten Kirche passt. Denn demokratischer hätte sie nicht entstehen können. Im Dezember 2013 überwies das Parlament (Synode) der Evangelisch-Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn die Motion «Kirche 21 – gemeinsam Zukunft gestalten». Das Wort «gemeinsam» ist daraufhin sehr wörtlich genommen worden. Vor zwei Jahren haben zahlreiche Kirchgemeindemitglieder, Sozialdiakone, Katechetinnen und Pfarrpersonen Fragen gestellt, insgesamt 5748 kamen zusammen. Die beiden zentralen Fragen (rein rechnerisch sind es die Fragen Nr. 2874 und 2875) lauten etwa: Braucht es eine neue Verständigung zur Frage, was zur Bibel gehören soll? Und: Wie müssten wir sein und was müssen wir tun, damit Menschen kommen und bleiben?
All diese Fragen, die auf der Homepage der Kirche zu finden sind (refbejuso.ch), wurden gruppiert und zu 13 «Spannungsfeldern» verdichtet, wie es in den Unterlagen heisst. Im vergangenen Sommer haben 27 Arbeitsgruppen Antworten gesucht, und schliesslich hat sich eine Gruppe von Fachleuten daran gemacht, «aus den vorliegenden Antworten eine Vision mit Leitsätzen herauszuschälen». Nun wurde das Ergebnis, die Vision Kirche 21, der Synode vorgelegt.

Nicht alle Anliegen aufgenommen

Und wie es nicht anders zu erwarten war für ein so breit abgestütztes Projekt: Die Vision Kirche 21 wurde grossmehrheitlich angenommen – mit 156 zu 2 Stimmen bei 9 Enthaltungen. Der Synode-Fraktion aus dem Jura ging das Ergebnis zu wenig weit. Es bilde bloss ab, was schon da sei. Ihr Antrag, aus dieser Vision eine «echte Vision» zu entwickeln, wurde abgelehnt. Andere Synodale hätten es gern gesehen, wenn die Schöpfung oder Jesus Christus explizit Eingang gefunden hätten.

Synodalrat Iwan Schulthess sagte, er sei froh, hätten schliesslich alle Fraktionen der Vision zugestimmt, auch wenn nicht jedes einzelne Anliegen vollumfänglich in sie habe einfliessen können. Ihre Stärke liege darin, dass sie aus all den Fragen «herausgewachsen» sei.

Resignation ist keine Option

Die Vision Kirche 21 ist überschrieben mit «Von Gott bewegt. Den Menschen verpflichtet». Die Leitsätze lauten:

Auf die Bibel hören – nach den Menschen fragen.
Vielfältig glauben – Profil zeigen.
Offen für alle – solidarisch mit den Leidenden.
Die Einzelnen stärken – Gemeinschaft suchen.
Bewährtes pflegen – Räume öffnen.
Vor Ort präsent – die Welt im Blick.
Die Gegenwart gestalten – auf Gottes Zukunft setzen.
Als Iwan Schulthess die Leitsätze erläuterte, unterstrich er das Bekenntnis der Kirche zur Offenheit für alle. Resignation und Abschottung seien keine Option. «Unsere Kirche will Teil der Gesellschaft sein und diese mitgestalten.» Ein Rückzug in eine religiöse Sonderwelt komme nicht in Frage.

Eigens ein Lied zur neuen Vision

Die Vision Kirche 21 soll – so wurde es im Berner Rathaus dargelegt – für alle kirchlich Engagierten Auftrag und Aufforderung darstellen, sich in Bewegung zu setzen. Die Leitsätze bieten somit Orientierungshilfe an – für eine Kirche, die sich mitunter als offene Such- und Weggemeinschaft charakterisierte. Der reformierten Landeskirche scheint viel daran zu liegen, die neue Vision nicht in einer Schublade verstauben zu lassen. Nachdem die Synodalen die Vision verabschiedet hatten, brachten sie sie gewissermassen zum Klingen. Ihnen lag das von David Plüss (Musik) und Eugen Eckert (Text) geschaffene «Lied zur Kirche 21» vor, das sie uraufführen durften.

Nach der Verabschiedung der Vision haben die Synodalen am Dienstag im Berner Rathaus das "Lied zur Kirche 21" uraufgeführt.
Doch damit nicht genug: Am 10. September plant die reformierte Kirche in Bern «das Kirchenfest zur Vision». Gefeiert werden an jenem Sonntag acht Gottesdienste (10.30 Uhr). Anschliessend ist jedermann eingeladen zum Risotto-Essen auf dem Waisenhausplatz (ab 11.45 Uhr) und zur Visionsfeier auf dem Bundesplatz (ab 14.30 Uhr). (Der Bund

Value - Werte

Die Organisation The Foundation for a Better Life values.com macht kleine Videos mit dem Branding Pass It On® in dem sie Werte auf verschiedene und sehr anschauliche Weise vermittelt.

Ihre Stichworte: Wobei Kindness - Güte / Barmherzigkeit das wichtigste ist. Das erinnert mich an die Initiative Livevest inside erinnert.



KINDNESS
ACHIEVEMENT AMBITION APPRECIATING NATURE APPRECIATION BEING THERE BELIEVE BELIEVE IN YOURSELF CARING CHARACTER CHARITY CIVILITY CLASS AND GRACE COMMITMENT COMMON GROUND COMPASSION COMPLIMENTS COMPROMISE CONFIDENCE CONNECTING COURAGE COURTESY CREATIVITY DEDICATION DETERMINATION DEVOTION DO THY BEST DO YOUR PART DRIVE EDUCATION ENCOURAGEMENT EQUALITY EXCELLENCE FAMILY FITNESS FORESIGHT FORGIVENESS FRIENDSHIP GENEROSITY GIVING BACK GOOD EXAMPLES GOOD MANNERS GRATITUDE GREAT MUSIC GRIT HARD WORK HEALTH HELPING OTHERS HONESTY HONOR HOPE HUMILITY IMAGINE INCLUDING OTHERS INGENUITY INNOVATION INSPIRATION INTEGRITY JOY JUSTICE KINDNESS LAUGHTER LEADERSHIP LEARNING LISTENING LITERACY LIVE LIFE LIVE YOUR DREAMS LOVE LOYALTY MAKING A DIFFERENCE MENTORING MINDFULNESS MOTIVATION OPPORTUNITY OPTIMISM OVERCOMING PARENTING PASSION PATIENCE PEACE PERSEVERANCE PERSISTENCE PIONEERING PRACTICE PREPARATION PURPOSE REACHING OUT RESPECT RESPONSIBILITY RIGHT CHOICES RISING ABOVE SACRIFICE SERVICE SHARING SMILE SOUL SPORTSMANSHIP SPREAD YOUR WINGS STEWARDSHIP STRENGTH TEACHING BY EXAMPLE TEAM WORK TRUE BEAUTY TRUST UNITY VISION VOLUNTEERING

Ticket Online

Auch für kleine und einzelne Aktionen scheint ticketfrog eine Alternative zu den grossen Ticketverkäufer wie Startickets oder Ticketcorner zu sein.


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Montag, 29. Mai 2017

Glaube

Wer ist ein Christ, fragt ein Student der Fachhochschule in seinen Video Interview. Die Antworten sind eher bescheiden. Die Frage scheint aber auch unendlich schwierig zu sein.

Aber in Taizé wird sie mit den Worten ihres Gründers Frere Roger ganz einfach beantwortet:

"Die einfache Sehnsucht nach Gott ist schon der Anfang des Glaubens"

Oder mit dem schönen Lied aus Taizé von Dietrich Bonhoeffer:

Gott, laß meine Gedanken sich sammeln zu dir
Bei dir ist das Licht, du vergißt mich nicht
Bei dir ist die Hilfe, bei dir ist die Geduld
Ich verstehe deine Wege nicht
Aber du weißt den Weg für mich



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