Mittwoch, 25. März 2009

Geschichte Chile in den 70er Jahren

Eine knappe und objektive Zusammenfassung dieser leidvollsten Zeit für Chile haben die beiden lutherischen Kirchen, seit dieser Zeit gespalten sind, gemeinsam publiziert:

1970 wurde Dr. Salvador Allende zum Präsidenten Chiles gewählt. Er regierte mit den
Parteien der „Volkseinheit”. Die Regierung Allendes war umstritten. Um Chile vom Rest der Welt, insbesondere von den USA, unabhängig zu machen, verstaatlichte Allende wichtige Schlüsselindustrien, betrieb die Enteignung von Privatunternehmen sowie Banken und führte eine Agrarreform durch, die allerdings bereits von der vorhergehenden Regierung beschlossen worden war. Löhne wurden erhöht und Preise für wichtige Bedarfsmittel gesenkt. Jedes Kind erhielt pro Tag einen Liter Milch gratis, sodass die Kindersterblichkeit in Chile sank. Doch die wirtschaftliche und politische Situation im Lande verschlechterte sich zusehends. Aus Angst vor Enteignungen setzte eine Kapitalflucht ins Ausland ein. Private Investitionen gingen rapide zurück. Allendes ehrgeizige Sozialprogramme konnten kaum bzw. nicht finanziert werden. Die Inflation im Lande erreichte bis zu 300 Prozent. Die USA verhängten ein Wirtschaftsembargo gegen Chile. Mitte 1973 stand das Land knapp vor einem Bürgerkrieg.

Am 11. September 1973 schließlich führte das Militär unter Führung des Generals Augusto Pinochet einen Putsch durch. Sofort nach der Machtübernahme ging Pinochet mit äußerster Brutalität gegen die bisherige Regierung, ihre Unterstützer und Sympathisanten sowie gegen Flüchtlinge vor, die während der AllendeZeit aus den Nachbarländern nach Chile gekommen waren. In den Gefangenenlagern der Militärdiktatur waren Folter, Mord und Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung. Tausende Menschen wurden während der Schreckensherrschaft Pinochets umgebracht oder verschwanden spurlos. Die genaue Zahl lässt sich heute kaum mehr ermitteln.

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nachtrag 2016:

Hier in Chile lerne ich immer mehr zu diesem traurigen Kapitel kennen:

  • Der Putsch ist nicht, wie oben von den lutherischen Kirchen beschrieben eine folge von Allendes Politik, sondern schon über Jahre vorbereitet. Vgl. Wikipedia
  • Die USA haben ihr Beziehungen zwischen Lateinamerika und den Vereinigten Staaten systematisch unterwandert. Vgl. dazu den Bericht bei Wikipedia
  • In der Escuela de las Américas in Panama haben die USA über 60'000 Offiziere aus Lateinamerika ausgebildet und infiltriert. Es ist belegt, dass die Soldaten dort auch in der Folterung ausgebildet wurden. Zahlreiche führende Militärs aus ganz Südamerika haben diese Schule besucht, so auch der Chef der Geheimpolizei DINA aus Chile Manuel Contreras
  • Die USA Intervention in Chile ist hinlänglich dokumentiert, vgl. Wikipedia
  • Massive Folterung die weit über das Ausmass der Nazi in den Konzentrationlager hinaus ging. Das dokumentiert das freilich Museum Villa Grimaldi. Dazu der Eintrag bei Wikipedia.
  • Noch heute leben viele Menschen in Chile, die bei den Gräueltaten auf die eine oder andere Art beteiligt waren. Es gibt Listen, wo diese Menschen heute tätig sind. Nicht alle konnten verurteilt werden. 
  • Eindrücklich die Geschichte der Mutter der Präsidentin  Michelle Bachelet. Wie in der Villa Grimaldi gezeigt wird, wurden den Häftlingen immer die Augen verbunden. Die Mutter von Bachelet wurde auch gefoltert. Sie wusste nicht von wem. Im Lift in ihrem Haus schaut sie einmal auf dem Boden - wie damals als gefangene und hört auf einmal im Lift die genau gleiche Stimme wie die des ehemaligen Folterers. Jetzt erkennt sie, dass sie mit ihm im gleichen Mehrfamilienhaus wohnt.  Der Vater der Präsidentin, selber ein Militärgeneral, widersetzte sich dem Putsch und wurde in der Gefangenschaft gefoltert und starb davon an Herzversagen.
Chile, Putsch, Pinochet, Allende, Folter

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