Freitag, 9. Dezember 2011

Kreuz in der reformierten Kirche

Da tun sich auf einmal Gräben auf, wenn darüber Diskutiert werden soll, ob in der reformierten Kirche ein Kreuz stehen soll, darf...

Hierzu schreibt mein lieber Pfarrkollege:


Eine Erzählung von Dostowjewski möge am Anfang stehen:
"Es wird ein Gefäss mit einer kostbaren Flüssigkeit getragen. alle fallen nieder, küssen und verehren das Gefäss, das dieses kostbare Nass enthält. Und siehe da, plötzlich stehen Leute auf und fangen an zu schreien: Ihr Blinden, was küsst ihr dieses Gefäss? Kostbar ist doch nur der Inhalt und nicht das Gefäss, kostbar ist nur das belebende Nass. Werft das Gefäss weg, zerbrecht es, betet nur das lebendige Nass an und nicht das Glas! Und siehe, als sie das Gefäss zerschlagen, ergiesst sich auch das lebendige Nass, der kostbare Inhalt, auf die Erde und versickert. Sie haben das Gefäss zerschlagen und das Nass verloren...."

Doch kann man Gefäss und Inhalt, Schale und Kern so trennen und gegeneinander ausspielen? -  Da steht ein Mensch vor einer Zwiebel und sucht deren Kern.  Sorgfältig schält er Schale um Schale - und was zurückbleibt, wissen wir...

Bekanntlich hat der reformierte Protestantismus alle Gefässe als "blosse Aeusserlichkeiten" abgetan. Doch Aeusseres und Inneres treten in eine Wechselwirkung. Ob ich ein Kreuz aufstelle oder ein Foto vom Matterhorn, hat sehr wohl eine Wirkung auf mein Inneres. Und es ist unser "Inneres", das alles Aeussere wiederum formt und gestaltet.

Natürlich ist das sog. Taizé-Kreuz auch etwas ganz und gar "Aeusserliches". Und doch bildet es für unzählige Besucher und Besucherinnen in der Versöhnungskirche im Burgund so etwas wie eine geheime Mitte, dies besonders in den Gottesdiensten jeweils am Freitagabend. Am Schluss des Gottesdienstes strömen von Mal zu Mal  von allen Seiten Jugendliche kniend dem Kreuz entgegen, legen ihre Stirne auf dieses, das jetzt flach auf dem Erdboden liegt,  und beten auf diese Weise für Notleidende und Menschen, die keine Stimme mehr haben.

Nein, Aeusseres und Inneres lassen sich nicht trennen, sondern werden immer aufeinander bezogen bleiben.
Natürlich kann ich auch in einer Turnhalle oder in Gottes freier Natur das Gespräch mit Gott suchen. Doch wird es mir in einem Kirchenraum, wo ein Kreuz vor mir steht, leichter fallen. Das Kreuz ist es denn auch, das uns verbindet mit Christen und Christinnen aller Länder und Konfessionen.

Gewiss: Entscheidend sind nicht die Gefässe, aber ohne sie gehen früher oder später auch die Inhalte verloren. Die Geschichte des reformierten Protestantismus beweist dies.

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