Freitag, 22. Februar 2013

Kirchen Knigge

Aus Kirchenbote-online.ch


Du sollst beim Abendmahl nicht drängeln!

Kirchenknigge von Max Spring
Aufstehen oder sitzen bleiben? Klatschen oder schweigen?
Und welche Kleidung soll man anziehen? Wer nicht regelmässig in die Kirche geht, fühlt sich oft unsicher. Ein kurzer Kirchen-Knigge zu den gängigsten Fallstricken hilft da weiter.

Kirchen-Knigge von A bis Z

Der Theologe Karl Barth soll sich einst in der Kirche eine Zigarre angesteckt haben, um zu zeigen, dass es für Reformierte keine sakralen Räume gibt. Da Sie vermutlich nicht Karl Barth heissen, haben wir bei Pfarrerinnen und Pfarrern nachgefragt, was passend oder unpassend erscheint.

A
Das Abendmahl ist kein «Kirchen-Znüni», sondern ein Zeichen der Gemeinschaft und Gegenwart von Jesus Christus. Beim Abendmahl könnte eine Warteschlange entstehen. Vermeiden Sie in dieser Zeit Unterhaltungen. Nicht drängeln, es handelt sich nicht um ein Selbstbedienungsbuffet.
Aufstehen oder Sitzen? Ja, was nun?
Nur ruhig Blut, die Pfarrperson wird Ihnen jeweils mitteilen oder ein Zeichen geben, wann Sie aufstehen sollen, etwa zum
Gebet, Singen oder Segen, und wann Sie wieder Platz nehmen dürfen.


Die Predigt soll unter die Haut gehen. Dazu brauchen Sie nicht in Badehose oder Bikini erscheinen! Zeigen Sie nicht zu viel Haut.
Begrüssen Sie Ihre Sitznachbarn. Ein nettes Lächeln öffnet den Himmel!


Checken Sie während des Gottesdienstes nicht Ihre Mails und SMS! Heisst es nicht, ich bin der Herr, dein Gott, der dich herausführt aus der Knechtschaft des Handys?

D
Dauernd herumtobende und lärmende Kinder und dauerschreiende Babys lenken andere Anwesende ab und stören auch Sie als Eltern. Eine gute Alternative ist eine Kinderbetreuung während des Gottesdienstes. Oder nehmen Sie doch Bilderbücher für die Kleinen mit. Das entlastet Ihre Nerven.


Echt peinlich, wenn Sie zu spät in den Gottesdienst kommen, die Türe hinter ihnen zuschlägt und sich alle nach Ihnen umdrehen. Kommen Sie pünktlich oder am besten fünf Minuten vor der Zeit in den Gottesdienst. Dann können Sie auch den Moment der Stille geniessen.

F
Das Fotografieren und Filmen ist während des Gottesdienstes an den meisten Orten nicht gestattet. Fotografieren Sie mit Ihrem Herzen. Die unsichtbare Dimension und den Segen können Sie auf keinem Bild festhalten. Ausserdem können die Fotos nach dem Gottesdienst nachgestellt werden. Die Pfarrerinnen und Pfarrer sind gerne dazu bereit.

G
Geiz ist nicht geil! Als Christen sind wir Lichter in der Welt und dürfen uns bei der Kollekte als «Schein-Werfer» betätigen.

H
Nehmen Sie Ihre Hände beim Beten aus den Hosentaschen. Sie dürfen die Hände gerne falten oder offen und empfangend vor sich hinhalten; so sind sie nicht im Weg.
Hut ab! Insbesondere für Männer gilt, der Herr behütet die seinen. Deshalb: Hüte, Kappen und andere Kopfbedeckungen bitte abziehen. Das besagt schon die ­Bibel: «Es ist unziemlich, wenn Männer mit Kopfbedeckung vor Gott treten».

I
Inliner, Skateboards, Velos, Mofas und Trottinetts bleiben zu Hause oder beim Kircheneingang.

K
Das Kaugummikauen im Gottesdienst wirkt störend und erinnert an Wiederkäuer auf der Wiese. Deshalb rausnehmen! Aber nicht unter die nächste Bank kleben.
Kirchenbesichtigungen am besten erst nach dem Gottesdienst oder unter der Woche.
Klatschen ist durchaus angebracht, wenn Kinder oder Jugendliche, ein Chor oder Musiker etwas aufführen. Zeigen Sie Ihre Begeisterung dann, wenn es angebracht ist. Am Karfreitag passt es weniger.

L
Machen Sie sich in der Kirche nicht über andere lustig, auch wenn Sie manches befremdet. Fragen Sie nach dem Gottesdienst lieber nach der Bedeutung.
Setzten Sie sich nicht in die letzte Reihe. Die Stimmbänder der Pfarrerinnen und Pfarrer werden es Ihnen danken.

M
Mitsingen erwünscht! Geniessen Sie zu Singen. Denn wo anders als im Gottesdienst, können Sie so spontan in ein Lied einstimmen? Am Eingang erhalten Sie ein Gesangbuch. Die Liednummern werden angesagt oder an einer Tafel angezeigt. Das Gesangbuch eignet sich weder zum Basteln noch als Notizbuch oder Zigarettenpapier.

N
Stellen Sie Ihr Natel vor dem Gottesdienst ab. Gott wird Sie vermutlich auf anderem Wege «anrufen».

O
Osterkerze: Zünden Sie die Taufkerze Ihres Täuflings an der Osterkerze an. Lassen Sie Ihr Feuerzeug in der Tasche.

P
Picknick: Lassen Sie Ihr Picknick im Gottesdienst und in der Kirche in Ihrem Rucksack. Auch die Wasserflasche. Geniessen Sie es anschliessend im Freien und denken noch einmal über die Predigt nach.

Q
Quasseln nicht erwünscht: Ständiges Flüstern und Tuscheln im Gottesdienst stört, ebenso das Herumspielen mit dem Schlüsselbund und anderem.

R
Lassen Sie sich von der Musik und den Worten der Predigt berauschen, doch schlafen Sie Ihren Rausch vom Vorabend bitte zu Hause aus.
Kommen Sie zur Ruhe: Die Orgelmusik zu Beginn lädt Sie dazu ein.

S
Behalten Sie ihre Schuhe während des Gottesdienstes an. Die reformierte Kirche kennt den Weihrauch nicht, um üble Gerüche zu überdecken.
Der Segen beendet den Gottesdienst. Zum Segen steht die Gemeinde auf. Lassen Sie sich von Gott beschenken und klimpern Sie nicht mit dem Münz herum.
Stillen Sie Ihren Säugling, wenn es ­nötig ist. Aber bitte diskret. Ein Tuch bewirkt Wunder!

T
Haben Sie für sich oder andere ein Taschentuch zur Hand – sei dies für tropfende Nasen oder vergossene Tränen, die fliessen können und dürfen.
Tiere in der Kirche – mit Ausnahme der legendären Kirchenmäuse – sind unüblich. Lassen Sie Ihre Haustiere, auch wenn sie noch so süss sind, zu Hause.

V
Verabschiedung: In der Regel werden Sie am Ausgang von der Pfarrperson verabschiedet. Seien Sie nett und bleiben Sie freundlich, auch wenn Ihnen nicht alles gefallen hat.

W
Kommen Sie wach und ausgeschlafen in den Gottesdienst. Nichts ist so peinlich, wie vom eigenen Schnarchen geweckt zu werden oder wenn die Gemeinde die neuen Kronen im offenen Mund bewundern kann.

Z
Zärtlichkeiten: Selbst wenn die Kirche die Nächstenliebe predigt, das Küssen und Schmusen ist während des Gottesdienstes oder in der Kirche nicht erwünscht. Auf den Kirchenbänken ist genügend Platz, um nebeneinander zu sitzen. Ausnahme: Bei der Hochzeit gehört der Kuss nach dem Trauversprechen natürlich dazu.
Sabine Herold / red

Keine Kommentare: