Donnerstag, 29. Mai 2014

Clash of Clans

Nicht zu unterschätzendes suchtpotential des Spiels Clash of Clans:


Elternabend der vierten Klasse am Mittwochabend in einer Zürcher Schule: Das Wichtigste ist besprochen, die Eltern können Anliegen vorbringen. Eine Mutter fragt in die Runde: «Ist es bei euch auch so schlimm mit diesem ‹Clash of Clans›-Spiel?» Die Buben-Eltern nicken verständnisvoll; die Mädchen-Eltern sind ahnungslos; viele hören zum ersten Mal von dieser App. Die Lehrerin erklärt, dass viele Buben das Spiel spielen.
Es stellt sich heraus, dass ausnahmslos alle Buben in der Klasse «Clash of Clans» spielen, ein kostenloses Strategiespiel mit hohem Suchtfaktor. Darin führt der Spieler einen Barbarenstamm an. Man baut Häuser und Wälle, schöpft aus Minen Gold, fördert magisches Elixier und sorgt mit Mauern und Kanonen für eine robuste Verteidigung.
Spätnachts am iPhone
In diesem Multiplayer-Spiel wird man von feindlichen Clans angegriffen. Diese versuchen, die eigene Basis zu zerstören und Ressourcen zu stehlen. Eine gute Abwehr wird mit Pokalen belohnt. Wer sich aktiv verbessern will, greift selber an. Mit zunehmender Spieldauer steigt man im Level auf, verdient sich bessere Ausrüstung, Upgrades für Bauwerke, neue Truppengattungen, vom Bomberballon bis zum Feuerdrachen.
Die Kinder spielen das Game auf dem Smartphone der Eltern, auf dem iPad zu Hause oder auf dem eigenen iPod touch. Elektronische Geräte seien in der Schule verboten und würden mindestens einen Tag eingezogen, sagt die Lehrerin. «Sonst würden die Kinder in der Pause nichts anderes tun.» Eine Mutter berichtet, sie sei nachts aufgestanden, und der Junge sei an ihrem iPhone gewesen. Er müsse unbedingt noch seine Verteidigung verbessern, sonst stände am Morgen sein Dorf nicht mehr.
Erstklässler spielen täglich
Das Spiel ruft sich mit Push-Meldungen in Erinnerung. «Total aggressiv, wie die auf unsere Kinder losgehen», sagt eine Mutter. Ähnlich wie bei einer SMS erscheint auf dem Sperrbildschirm eine Meldung, die besagt, dass man sich schon lange nicht mehr eingeloggt habe, oder dass das eigene Dorf gerade angegriffen werde. Immerhin werden vor 8 Uhr und nach 20 Uhr keine solchen Mitteilungen verschickt. Das kostenlose Spiel ist im App Store freigegeben ab 9 Jahren. Aber schon Erstklässler spielen mehrmals täglich.
Die Diskussion am Elternabend dreht sich dann auch darum, wie oft und wie lange die Buben pro Tag das Game spielen dürfen. Man diskutiert um die Vor- und Nachteile von dreimal zehn Minuten gegenüber zweimal einer Viertelstunde.
Juwelen zum Geburtstag
Im Spiel wird bezahlt mit Juwelen, die man sich entweder verdient oder die man beim finnischen Spielehersteller Supercell via Kreditkarte kauft. Kaum ein Kind, das nicht schon die Eltern um ein paar Franken angebettelt hat. «Mein Sohn wünschte sich sogar Juwelen zum Geburtstag», wusste eine Mutter zu berichten. Ein Vater erzählte, dass sein Junge früher aufstehe, damit er zwischen Frühstück und Schulweg «noch kurz ein paar Raubzüge machen kann». Am Ende der Diskussion einigte man sich auf dreimal zehn Minuten.(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

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