Donnerstag, 31. Dezember 2015

Abendmahl

Aspekte des Abendmahls - gefunden beim KIK Verlag

Hier weiter Informationen zum Abendmahl mit Kinder von Kirche mit Kinder.

Aspekte des Abendmahls
Im Abendmahl wird die Nähe Gottes gefeiert, dargestellt und spürbar. Sie konkretisiert sich in den verschiedenen theologischen Aspekten des Abendmahls.

1. Aspekt: Gott befreit
Schon das Passamahl ist das Mahl der Befreiung. Wenn wir in unserer Abendmahlsfeier das letzte Essen Jesu vergegenwärtigen, dann ist auch für uns das Abendmahl ein Mahl der Befreiung, die Christus schenkt. Wenn das Neue Testament von der Befreiung spricht, dann meint es zum einen die Befreiung von dem, was uns gefangen hält und von Gott trennt: die Befreiung aus dem Machtbereich der Sünde (vgl. Römer 6,15-23). Zum anderen meint es die Befreiung von dem, was Menschen voneinander unterscheidet und dadurch trennt (vgl.
1. Korinther 11,18 ff. und Galater 3,28).

2. Aspekt: Gott stärkt und gibt Wegzehrung zum Aufbruch in das Reich Gottes
Zum Abendmahl gehören Nacht und Dunkelheit. Das Passamahl ist Wegzehrung für das Mahl derer, die im Aufbruch begriffen sind (vgl. 2. Mose 12,11): im Aufbruch in das Land, in das Gott sie führen will. Das „wandernde Gottesvolk“ zieht durch die Zeiten in das verheißene neue Leben.

3. Aspekt: Christus verbindet zu einer Gemeinschaft
Das Passamahl ist das Fest derer, die zusammengehören in der Gemeinschaft einer Familie, eines „Hauses" (vgl. 2. Mose 12,3 f.). Wenn Jesus sich mit seinen Jüngern das Essen teilt, sind Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und Überzeugung (z. B. Zelot und Zöllner) in „versöhnter Verschiedenheit“ beieinander.
Auch unser Abendmahl ist ein Fest derer, die durch das gemeinsame Mahl zu einer „Familie“ werden, zur Familie des Gastgebers, zu Hausgenossen Gottes (vgl. Epheser 2,19). Das Bemerkenswerte daran ist: Nicht wir müssen erst eine Gemeinschaft bilden, um Abendmahl zu feiern, sondern der Gastgeber und das Mahl binden uns zu einer Gemeinschaft zusammen (vgl. 1. Korinther 10,17).

4. Aspekt: Christus lässt uns das Fest des Reiches Gottes feiern
Das Passamahl ist ein Festmahl. Das Festmahl ist in der Bibel ein Bild für die Gemeinschaft mit Gott in seinem Reich (vgl. besonders Jesaja 25,6 ff. und Lukas 14,15 ff.).
Auch unser Abendmahl ist zeichenhaft Feier des Reiches Gottes, wo Gott alle Tränen abwischen wird (Offenbarung 21,3-4). Auch wenn das Reich Gottes noch Zukunft ist, lässt uns das Abendmahl vorweg schon seine Gegenwart spüren. In unserer Abendmahlsliturgie heißt es, dass wir „unsere Herzen erheben“ und mit allen Engeln singen. Trotz Dunkelheit, Nacht und Verrat ist das Abendmahl ein Freudenmahl: Eucharistie = Danksagung.

5. Aspekt: Christus spricht Schuld und Verrat an
Nach den Evangelien ist das Abendmahl ein Essen, bei dem Opfer und Täter versammelt sind: Der Verleugner Petrus und der Verräter Judas sitzen mit Jesus an einem Tisch. Das Mahl Jesu ist ein Mahl, in dem das Schuldigwerden des Menschen nicht verdrängt, sondern angesprochen wird. Deswegen ist das Abendmahl seit alters her mit Buße und Beichte verbunden.

6. Aspekt: Gott gibt und erhält Leben
Das Abendmahl ist ein Essen, bei dem Gott für das gedankt wird, was er uns Tag für Tag zu unserer Versorgung schenkt. Die Gaben der Schöpfung spielen im Abendmahl eine Rolle. Wir teilen, was wir zum Leben brauchen (Kollekte!). Das Abendmahl erinnert uns daran, dass das, was unseren Leib erhält, von Gott geschenkt ist, dass die Schöpfung gut ist. Sie kann zum Gleichnis für die Nähe des Heils und das Reich Gottes werden.

7. Aspekt: Christus gibt sich hin und vergibt
Das Abendmahl erinnert daran, dass Jesus sich ganz für uns hingegeben hat. Im Blut sitzt nach alter Vorstellung das Leben. Wir würden sagen: Er hat Leib und Leben für uns gegeben. Nur bei Matthäus wird ausdrücklich hinzugefügt: „zur Vergebung der Sünden“. Das ist in gewisser Weise eine Engführung. Wenn es heißt: „für euch gegeben“, „für euch vergossen“, dann bedeutet das: Jesu Tod am Kreuz geschieht für uns als Menschen, die wir uns ganz und gar von Gott getrennt haben. Das Abendmahl führt uns vor Augen, was Christus an unserer Stelle auf sich genommen hat, nämlich Tod und Gottesferne. Es lässt uns an Christi Tod teilhaben, damit wir mit Christus leben.

8. Aspekt: Christus ist bei uns
Unser Abendmahl ist die Feier, in der wir den Auftrag Jesu erfüllen: Wir brechen Brot und trinken von der Frucht des Weinstocks. Indem wir das tun, sind wir gewiss, dass Christus in unserer Mitte ist und dass wir seine Jünger und Jüngerinnen, seine Brüder und Schwestern, Kinder Gottes sind.

9. Aspekt: Gott hält sein Versprechen: Der neue Bund
Die Einsetzungsworte sprechen vom „neuen Bund“. Bund meint nicht Vereinbarung zwischen zwei Partnern, meint keine Blutsbrüderschaft, sondern die unverbrüchliche Treue Gottes. Das zeigen schon die „alten" Bundesschlüsse Gottes: der Bund, der nach der Sintflut geschlossen wurde (1. Mose 9,9.17), der Bund mit Abraham (1. Mose 17) und der Bundesschluss am Sinai (2. Mose 24). Der Bund ist etwas für den Menschen Heilvolles. Er beinhaltet für die Erde, für Abraham, für das Volk Israel, dass Gott für sie da ist und sie nicht fallen lassen wird.
Das Abendmahl ist das Mahl der Bundeszusage Gottes in Jesus Christus. Unsere Feier ist also die Vergegenwärtigung der Zusage Gottes, dass er diejenigen, die an diesem Mahl teilnehmen, nicht fallen lassen wird. So verbindet uns das Abendmahl nicht nur mit den Engeln im Himmel, sondern auch mit dem Gottesvolk aller Zeiten.

10. Aspekt: Erwartung und Warten
In der Liturgie des Abendmahls verschränken sich Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Das Abendmahl füllt die Zeit bis zur Wiederkunft Christi. „Sooft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis dass er kommt.“ (vgl.
1. Korinther 11,26 und Markus 14,25). Damit wird deutlich, dass mit dem Abendmahl auch das Warten und Hoffen auf das Festmahl im Reich Gottes und die Vollendung verbunden sind, so sehr wir schon jetzt die Gegenwart Christi erleben. Das Abendmahl bewahrt uns im Glauben zum ewigen Leben.


Kirchenjahr – die Farben des Abendmahls
Auch der Ablauf des Kirchenjahrs bestimmt die Liturgie des Abendmahls. Die Abendmahlsfeier verändert im Laufe des Kirchenjahrs ihre Farbe und ihre Stimmung. Das Lobgebet zu Beginn der Abendmahlsliturgie (die sogenannte Präfation) nimmt die jeweilige Festzeit des Kirchenjahrs auf. Der Lobpreis mündet ein in den liturgischen Gesang „Heilig, heilig ...“ (Sanctus). Das Sanctus kann dann durchaus kirchenjahrsbezogen ersetzt werden:
Adventszeit: Weihnachtszeit:
Osterzeit: Pfingsten:
Lob sei Gott dem Vater g’tan (EG 4,5)
Das ewig Licht geht da herein (EG 23,4) Heut schließt er wieder auf die Tür (EG 27,6) Es singt der ganze Erdenkreis (EG 100,4 f.) Gott ist gegenwärtig (EG 165,2)

Die Abendmahlsfeier bekommt dadurch einen spezifischen Klang!
In bestimmten Zeiten des Kirchenjahrs kann auch der liturgische Gesang „Christe, du Lamm Gottes ...“ (Agnus Dei) bei thematisch besonders geprägten Gottesdiensten in folgender Weise durch Liedstrophen zum Ausdruck gebracht und ersetzt werden:
Adventszeit: Weihnachtszeit:
Epiphanias: Passionszeit: Osterzeit:
Pfingsten:
Komm, o mein Heiland Jesu Christ (EG 1,5)
Das hat er alles uns getan (EG 23,7)
Er nimmt auf sich, was auf Erden wir getan (EG 36,4) Von Gott kommt mir ein Freudenschein (EG 70,4) Dein Kampf ist unser Sieg (EG 87,3)
Christ ist erstanden (EG 99)
Jesus Christus, unser Heiland (EG 102,1)
Zieh ein, lass mich empfinden (EG 133,2)


Auch die unterschiedlichen Aspekte des Abendmahls lassen sich kirchenjahrsmäßig zuordnen.

1. Aspekt: Gott befreit
Epiphanias, Ostern, Reformationstag
2. Aspekt: Gott stärkt und gibt Wegzehrung zum Aufbruch in das Reich Gottes
Epiphanias, Konfirmation, Pfingsten
3. Aspekt: Aspekt: Christus verbindet zu einer Gemeinschaft
Konfirmation, Pfingsten, Kirchweih
4. Aspekt: Christus lässt uns das Fest des Reiches Gottes feiern
Ende des Kirchenjahrs
5. Aspekt: Christus spricht Schuld und Verrat an

Buß- und Bettag, Volkstrauertag
6. Aspekt: Gott gibt und erhält Leben
Erntebittgottesdienst, Erntedank, Tag der Schöpfung, Trauung
7. Aspekt: Christus gibt sich hin und vergibt
Passionszeit, Karfreitag, Trinitatiszeit, Reformationstag, Buß- und Bettag
8. Aspekt: Christus ist bei uns
Christfest, Epiphanias, Ostern, Trinitatiszeit
9. Aspekt: Gott hält sein Versprechen: Der neue Bund
Christfest, Silvester/Neujahr, Taufe, Konfirmation
10. Aspekt: Erwartung und Warten
Adventszeit, Ende des Kirchenjahrs 

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