Samstag, 26. März 2016

Chile 2016: Expedition Chile beginnt

Aus einem Traum wird Wirklichkeit 

Vor Jahren, meine Frau Chantal meint Jahrzehnten...., hatte ich den Traum mit meiner Familie einmal für längere Zeit in Chile zu leben.

Wir sind Chilenisch - Schweizerische Doppelbürger. Vor über 50 Jahren war mein Vater an der Schweizer Schule in Santiago Lehrer und hat dort meine Mutter kennengelernt. Ich selber bin dann in Zürich geboren, wo meine Eltern nach nach dem chilenischen Aufenthalt für 4 Jahren gelebt haben. Aber meine Eltern zog es dann wieder nach Südamerika, wo mein Vater für weitere 6 Jahre die Schweizer Schule in Sao Paolo aufgebaut und als erster Direktor geleitet hat. (Die Schweizer Schule in Sao Paolo feiert dieses Jahr ihr 50 Jahre Jubiläum)

So kam es, dass ich Portugiesisch sprechen gelernt habe und bis zur 4. Klasse auch die Schule im portugisischen Brasilien besucht habe. Bevor wir dann endgültig in die Schweiz zurückkehrten, waren wir in der Übergangszeit einige Monate in Chile. Dort habe ich - so eigenartig das klingt - mein Portugiesisch komplett gegen das Spanisch ausgetauscht. Ich habe 6 Jahre in Brasilien gelebt und perfekt portugiesisch gesprochen und nur 3 Monate in Chile gelebt. Das hat aber gereicht, dass ich heute kein Wort mehr portugiesisch kann und recht ordentlich spanisch. Da hatte wohl in meinem sechsjährigen Kopf nur eine Fremdsprache Platz..

Was heisst Heimat?

Wie jeder und jede, so frage auch ich mich immer wieder, was eigentlich Heimat heisst und bedeutet. Ist es die Farbe des Passes? Oder die Sprache die man spricht? Ist Heimat überhaupt etwas territoriales oder gar patriotisches?

Für mich war es schon immer einfach der Ort, an dem ich da-heim, war. Heimat war für mich das Haus meiner Eltern - vor allem in Männedorf, wo ich als Jugendlicher aufgeblüht bin, dann der CEVI in Männedorf dem ich so viel Freundschaft und Liebe verdanke, dann der Glaube, der eben in diesem CEVI gewachsen ist und mir heute Kraft und Zuversicht gibt. Heimat waren auch die verschiedenen Wohngemeinschaften, in den ich gelebt habe und das Leben mit meiner ersten Partnerin.

Heute würde ich Heimat mit Familie gleichsetzen. Was macht schon ein Pass aus, ja, auch beste Freunde verlieren sich (leider) aus den Augen, aber die Familie bleibt. Ob es mit der Blutsverwandtschaft zu tun hat? Meine Familie, meine Frau Chantal, meine drei Kinder, jetzt Jugendliche Salome, Lea und Jonas, das ist meine Heimat.

Familie

Zur Familie gehören aber auch meine Eltern und seit 20 Jahren auch die Schwiegereltern. Zur Familie gehören auch meine Verwandten in Chile. In der Schweiz hatte ich kaum Bezug zu meinen Verwandten, weil mein Vater ein Einzelkind war und ich in der Schweiz keinerlei Tanten und Onkel habe.


Und diese Familie in Chile ist riesig und was mich immer wieder erstaunt: Unglaublich gastfreundlich. Meine Tanten und Onkel haben in all den Jahren mich und meine Familie begleitet. Wenn wir in Chile waren, durften - nein mussten wir gerade zu - bei ihnen wohnen. Und da meine Familie immer grösser wurde, war das alleine schon logistisch immer aufwendiger. Konnten wir vor knapp 10 Jahren noch mit unserem ersten Kind in einem Zimmer schlafen, dass sie uns freigemacht haben, wurde es in diesem Juli 2016 doch aufwendig, in einem 5 Zimmer Haus für uns 3 Zimmer zu offerieren - obwohl wir das nie wollten, aber uns einfach auch nicht dagegen wehren konnten.  Um diese Gastfreundschaft zu ermöglichen haben alle Tanten und Onkel zusammengespannt. Wir habe erst im Nachhinein erfahren, dass sie sich gegenseitig mit Betten ausgeholfen haben.

Wir durften für diese aufopfernde Gastfreundschaft nie einen Beitrag leisten. Als vor einem halben Jahr meine Frau mich gedrängt hat zu fragen, ob wir etwas zahlen dürften, habe ich zwar geahnt, dass das nicht gut kommt, aber war dann doch erstaunt, wie beleidigt mein Onkel ob dieser Frage war. Gastfreundschaft heisst sich öffnen, sich selber verschenken und den anderen ganz willkommen heissen.

In alle den Jahre waren wir immer wieder bei unseren Verwandten zu Besuch. Das war unsere Beitrag zur Freundschaft. Und wir haben erlebt, wie das geschätzt wurde. Nach der Geburt jedes Kindes sind wir mit dem Säugling nach Chile geflogen. Zur Freude aller Verwandten und vor allem der Urgrossmutter unserer Kinder.

Mit unserer jüngsten Tochter wollten wir nach der Geburt möglichst schnell nach Chile fliegen. Die Urgrossmutter Loly hat sich riesig gefreut und ihr Urenkelkind in den Armen gehalten. Ein eindrücklicher Moment. Keine zwei Wochen nach unserem Abflug aus Chile ist sie in Frieden gestorben.



Leben in Chile

Nun wollten wir einmal erleben, was es heisst, selber in Chile zu leben. Nicht nur als Gast, sondern als Bewohner, die hier leben und spüren was es heisst, hier die Lebensumstände zu teilen.


Keine Kommentare: