Sonntag, 4. Juni 2017

Kirche Vision


Eine Strategie für die Zukunft parzipativ mit allen Kirchgemeinden entwickeln. Genialer Task, ausgeführt durch die Berner Landeskirche:

Hier der Artikel im "Bund" dazu

Es ist eine Vision, die zur reformierten Kirche passt. Denn demokratischer hätte sie nicht entstehen können. Im Dezember 2013 überwies das Parlament (Synode) der Evangelisch-Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn die Motion «Kirche 21 – gemeinsam Zukunft gestalten». Das Wort «gemeinsam» ist daraufhin sehr wörtlich genommen worden. Vor zwei Jahren haben zahlreiche Kirchgemeindemitglieder, Sozialdiakone, Katechetinnen und Pfarrpersonen Fragen gestellt, insgesamt 5748 kamen zusammen. Die beiden zentralen Fragen (rein rechnerisch sind es die Fragen Nr. 2874 und 2875) lauten etwa: Braucht es eine neue Verständigung zur Frage, was zur Bibel gehören soll? Und: Wie müssten wir sein und was müssen wir tun, damit Menschen kommen und bleiben?
All diese Fragen, die auf der Homepage der Kirche zu finden sind (refbejuso.ch), wurden gruppiert und zu 13 «Spannungsfeldern» verdichtet, wie es in den Unterlagen heisst. Im vergangenen Sommer haben 27 Arbeitsgruppen Antworten gesucht, und schliesslich hat sich eine Gruppe von Fachleuten daran gemacht, «aus den vorliegenden Antworten eine Vision mit Leitsätzen herauszuschälen». Nun wurde das Ergebnis, die Vision Kirche 21, der Synode vorgelegt.

Nicht alle Anliegen aufgenommen

Und wie es nicht anders zu erwarten war für ein so breit abgestütztes Projekt: Die Vision Kirche 21 wurde grossmehrheitlich angenommen – mit 156 zu 2 Stimmen bei 9 Enthaltungen. Der Synode-Fraktion aus dem Jura ging das Ergebnis zu wenig weit. Es bilde bloss ab, was schon da sei. Ihr Antrag, aus dieser Vision eine «echte Vision» zu entwickeln, wurde abgelehnt. Andere Synodale hätten es gern gesehen, wenn die Schöpfung oder Jesus Christus explizit Eingang gefunden hätten.

Synodalrat Iwan Schulthess sagte, er sei froh, hätten schliesslich alle Fraktionen der Vision zugestimmt, auch wenn nicht jedes einzelne Anliegen vollumfänglich in sie habe einfliessen können. Ihre Stärke liege darin, dass sie aus all den Fragen «herausgewachsen» sei.

Resignation ist keine Option

Die Vision Kirche 21 ist überschrieben mit «Von Gott bewegt. Den Menschen verpflichtet». Die Leitsätze lauten:

Auf die Bibel hören – nach den Menschen fragen.
Vielfältig glauben – Profil zeigen.
Offen für alle – solidarisch mit den Leidenden.
Die Einzelnen stärken – Gemeinschaft suchen.
Bewährtes pflegen – Räume öffnen.
Vor Ort präsent – die Welt im Blick.
Die Gegenwart gestalten – auf Gottes Zukunft setzen.
Als Iwan Schulthess die Leitsätze erläuterte, unterstrich er das Bekenntnis der Kirche zur Offenheit für alle. Resignation und Abschottung seien keine Option. «Unsere Kirche will Teil der Gesellschaft sein und diese mitgestalten.» Ein Rückzug in eine religiöse Sonderwelt komme nicht in Frage.

Eigens ein Lied zur neuen Vision

Die Vision Kirche 21 soll – so wurde es im Berner Rathaus dargelegt – für alle kirchlich Engagierten Auftrag und Aufforderung darstellen, sich in Bewegung zu setzen. Die Leitsätze bieten somit Orientierungshilfe an – für eine Kirche, die sich mitunter als offene Such- und Weggemeinschaft charakterisierte. Der reformierten Landeskirche scheint viel daran zu liegen, die neue Vision nicht in einer Schublade verstauben zu lassen. Nachdem die Synodalen die Vision verabschiedet hatten, brachten sie sie gewissermassen zum Klingen. Ihnen lag das von David Plüss (Musik) und Eugen Eckert (Text) geschaffene «Lied zur Kirche 21» vor, das sie uraufführen durften.

Nach der Verabschiedung der Vision haben die Synodalen am Dienstag im Berner Rathaus das "Lied zur Kirche 21" uraufgeführt.
Doch damit nicht genug: Am 10. September plant die reformierte Kirche in Bern «das Kirchenfest zur Vision». Gefeiert werden an jenem Sonntag acht Gottesdienste (10.30 Uhr). Anschliessend ist jedermann eingeladen zum Risotto-Essen auf dem Waisenhausplatz (ab 11.45 Uhr) und zur Visionsfeier auf dem Bundesplatz (ab 14.30 Uhr). (Der Bund

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