Montag, 15. Januar 2018

Rhetorik

Einen Beitrag zur Art, wie Pfarrer predigen, von Von Stephan Wehowsky, 12.01.2018, in Journal 21

Predigerton
Die einen fallen durch ihre sich überschlagenden Stimmen auf, die anderen durch das Absenken ihrer Stimmen an Satzenden. Während Sportreporter rasend schnell sprechen können, erinnert der Redefluss der Theologen an eine 30er-Zone.
Woran liegt das? Sportreporter müssen ihr Tempo den Spielverläufen anpassen. Und natürlich sind sie „ganz dabei“. Man versteht, dass sie so klingen, wie sie klingen. Pastoren sprechen gemächlich, denn sie haben es mit ewigen Wahrheiten zu tun. Aber woher kommt dieser eigentümliche, unverkennbare Klang?
Der Philosoph Kurt Flasch, der sich zeit seines Lebens intensiv mit der christlichen Philosophie und Theologie beschäftigt hat, sprach Anfang der 1970er Jahre in einer Vorlesung über die „Philosophie der Religion“ vom „sprachlichen Knacken“ der Theologen. Wenn man sich mit ihnen unterhalte, so Flasch, redeten sie wie ganz normale Zeitgenossen, aber wenn sie auf der Kanzel stünden, verfielen sie in ihren unverkennbaren Predigerton.
Mittlerweile sind neue Generationen von Pfarrerinnen und Pfarrern herangewachsen. Über Religion sprechen sie nicht mehr so gerne. Alltagserlebnisse sind ihnen wichtiger. Sie möchten ja sein wie du und ich. Aber der Predigerton ist ihnen geblieben. Vielleicht ist er sogar noch penetranter geworden.
Woran liegt das genau? Entsteht dieser Ton, wenn Aussagen feierlich, aber auch vage bleiben? In solchen Situationen hört man den Predigerton auch bei Politikerinnen und Politikern. Er wäre eine nähere Untersuchung wert. Wer könnte sie vornehmen: Linguisten, Psychologen, Soziologen – oder Theologen? Oder ein Immunologe wegen der Ansteckungsgefahr?
Dazu Otto:


Interessant wäre es, diesen Text von Oliver Kalkofe selber zu sprechen - und damit die Ausdrucksweise zu lernen.


Dazu die Tipps zur Stegreifrede von Thomas Skipwith, den ich selber mal erlebt habe.

Stegreifrede

Es gibt verschiedene Methoden

Checkliste für Stegreifrede

1 Auftreten
Lächele. Lächeln wird Dir helfen, dass Du Dich gut fühlst und eine positive Einstellung zum Input gewinnen. Nimm eine aufrechte Haltung ein. Lassen Sie die Schultern nicht nach vorne hängen, sondern drücken leicht nach hinten. Zusammen mit einem Lächeln ist diese Haltung der Schlüssel für positive Gedanken.

2 Entschuldige Dich nicht
Hab Freude am Input! Verliere keine Gedanken daran, wieso das zu ungewöhnlich oder zu schwierig usw. ist. Vermeide Sätze wie: „Ich mache das jetzt zum ersten Mal. Ich hatte nur wenig Zeit“ Falls Du umfällst, steh (einfach) wieder auf.

3 Einstieg

Du musst die Zuhörer nicht (nochmals) begrüssen, sondern komm gleich zur Sache. Der erste Satz musst Du aufgeschrieben haben und auswendig können. Im ersten Satz nennst Du das Thema, im zweiten Satz Deine Motivation.

4 Blickkontakt halten

Es ist wichtig, dass Du den Zuhörer in die Augen siehst. Versuche die Gedanken bei den Zuschauern zu holen und nicht an der Decke, auf dem Boden oder an den Fingernägeln.

5 Pause machen - Äh’s vermeiden

Falls Du gerade nicht mehr weiter weisst, sagen Sie einfach nichts. Mache eine (kurze) Pause. Wenn Du nicht weisst was zu sagen, dann ist es besser Du schweigst als die Ruhe mit Äh’s zu füllen. Wiederhole einfach den letzte Satz nochmals. Dann folgt der nächste automatisch.

6 Redeformel nutzen

Nutzen Sie die Redeformel G-H-M.
G = Gestern -> was war, was habe ich gehört, gelesen
H = Heute -> was ist, was meine ich selber dazu
M = Morgen -> was wird / könnte werden, was erhoffe ich mir

7 Zusammenfassen

Fasse kurz zusammen, was Du gesagt hast.

8 Schlusswort

Die letzten 3 Sätze sind auch aufgeschrieben und auswendig gelernt:
- Was ist mir wichtig?
- Was macht mir Mut?
- Was hoffe ich für die Zuhörer?


5 Schritte Methode:
  1. Beginnen Sie mit einem einleitenden Satz, nennen Sie das Thema.
  2. Nennen Sie dann zuerst die Pro-Argumente (Was gibt es Positives zum Thema zu sagen?).
  3. Nennen Sie danach die Kontra- Argumente (Negatives).
  4. Bewerten Sie die Argumente in Ihrem Sinne (Welche Argumente überwiegen – Pro oder Kontra?).
  5. Formulieren Sie schließlich das Ergebnis (Was ist Ihre Botschaft?).

Themen für Stegreifreden gibt es bei www.descubris.ch

Predigt, Reden, Rhetorik, Betonung, Langweile

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