Donnerstag, 8. November 2007

Milchexpress in Frauenfeld gibt auf


Nachtrag:

Der Milchexpress wird von Herr Zekiri weitergeführt:

Milchexpress gibt es immer noch. Herr Zekiri heisst der Besitzer. Ein wunderbar hilfsbereiter Mensch, trägt die Taschen in die Wohnung und wenn jemand gar nicht mehr mobil ist, nimmt er die Bestellung sogar in der Wohnung entgegen. Wo gibt es noch so einen Service?

Hat fast alles, was es für einen Haushalt braucht, gerade für Menschen die nicht mehr gut zu Fuss sind eine tolle Möglichkeit. Z.B. auch WC Papier, aber auch Teigwaren, Gemüse, Früchte und natürlich das ganze Milchsortiment und Brot vom Stähli Bäckerei.

Die Route kann bei Herr Zekiri persönlich erfragt werden. Seine Telefonnummer: 076 568 88 46




Aus der Thurgauerzeitung vom 07. Nov. 2007


Ohne Vorankündigung hat die Molkerei Gimmi in Frauenfeld ihren Milchexpress eingestellt. Die blau-weissen Verkaufswagen stehen still.


Frauenfeld – Über 40 Jahre lang hat die Molkerei Gimmi in Frauenfeld die Kunden mit Milch beliefert. Früher wurde die Milch sogar mit dem Handwagen ausgefahren, erinnert sich Constance Gimmi, Ehefrau des verstorbenen Heinz Gimmi. Aus den Handwägelchen wurden Verkaufswagen, die nicht nur Milch, sondern ein beachtliches Sortiment an Grundnahrungsmitteln mit sich führten. Sohn Robert Gimmi hatte das Geschäft an der Bahnhofstrasse 91 übernommen. Laut Handelsregisterauszug wurde es im März 2006 dann an Patrick Gimmi weitergegeben.
Einfach verschwunden
«Seit wir 1974 an die Schönenhofstrasse gezogen sind, konnten wir wöchentlich an zwei Tagen im Wagen Sachen einkaufen, die man nicht über Wochen im Kühlschrank lagern kann. Wir haben dieses Angebot sehr geschätzt», schreiben Erika und Alfred Schmid in einem Leserbrief an die «Thurgauer Zeitung» zum Gimmi-Milchexpress. Leider sei diese Einkaufsmöglichkeit sang- und klanglos verschwunden. «Hauptsächlich werden ältere Personen, vor allem in peripheren Stadtteilen und umweltbewusste Einwohner, die nicht wegen Milch, Käse oder einem Servelat ins Auto steigen, diesen Service auch sehr vermissen.»
Über den Grund, warum der Betrieb plötzlich eingestellt wurde und weshalb man die Kundschaft darüber nicht informiert hat, kann nur spekuliert werden. Weder Patrick noch Robert Gimmi waren für eine Auskunft erreichbar. Constance Gimmi, Eigentümerin der Liegenschaft an der Bahnhofstrasse 91, ist über die Entwicklung, die die Molkerei Gimmi genommen hat, sehr traurig: «Ich werde meinen ganzen Einfluss geltend machen, damit die Wagen bald wieder fahren».
Interessenten vorhanden
Im selben Gebäude an der Bahnhofstrasse 91 hat Koca Erdal vor einem Jahr seinen zweiten Dedo Supermarkt in Frauenfeld eröffnet. Er hätte grosses Interesse, den Milchexpress zu übernehmen und habe auch Visionen, wie er zusätzlich die jüngere Generation mit einem Online-Service mit frischen Produkten begeistern könnte. Die Verkaufsverhandlungen würden sich allerdings sehr schwierig gestalten, so Koca Erdal. «Jeden Tag, an dem der Milchexpress nicht fährt, gehen Kunden verloren», bedauert er.
Erika und Alfred Schmid hoffen, dass sich die Stadt Frauenfeld einschaltet, «damit eine solch einwohner- und umweltfreundliche Einrichtung nicht verschwindet». Sie schlagen vor, dass die Stadt die beiden Wagen stellt und die beiden Chauffeure, eventuell zusammen mit einem Detaillisten, den Service weiterführen. Für die älteren Leute sei die Einstellung des Milchexpress sicher ein grosser Verlust, zeigt Jost Kuoni, stellvertretender Stadtschreiber, Verständnis. Es sei aber nicht die Aufgabe der öffentlichen Hand einen solchen Service anzubieten, zumal dieser ja offensichtlich nicht mehr rentiert habe. Die Wohngebiete der Stadt seien mit dem Bus gut erschlossen, zudem gebe es die sozialen Fahrdienste.

BARBARA HET TICH

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