Dienstag, 8. Juli 2008

Gemeinsame Eucharistie / Abendmahl

Bischof Huonder verwarnt ökumenisch offenen Priester

Tagesanzeiger: 26. Juni 2008, Von Michael Meier

Bei der reformierten Zürcher Landeskirche hat sich Bischof Huonder zur Ökumene bekannt. Doch kürzlich rügte er einen Priester, der dem Grossmünster Pfarrer die Kommunion gab.
Am Mittwoch besuchte der Churer Bischof Vitus Huonder hochoffiziell die reformierte Landeskirche Zürich: Man feierte einen ökumenischen Wortgottesdienst im Fraumünster und sprach vor allem über Belange der Ökumene. An einer Medienkonferenz unterstrichen Kirchenratspräsident Ruedi Reich und Bischof Huonder das gemeinsame «Kirchesein». Einmütig stellten sie sich hinter die ökumenischen Werke in Zürich; das sind die Gefängnis-, Spital- und Notfallseelsorge, die Bahnhof-, Sihlcity- und Flughafenkirche.

Doch den von Reich und dem früheren Zürcher Weihbischof Peter Henrici 1997 verfassten Ökumenischen Bettagsbrief mochte Huonder nur mit Vorbehalten akzeptieren, insbesondere den Teil, wo es um die eucharistische Gastfreundschaft geht. National, ja international beachtet, überliessen die Zürcher Kirchenspitzen es damals dem Gewissen jedes Einzelnen, am Abendmahl der jeweils anderen Konfession teilzunehmen. Was katholischerseits so nicht gestattet ist. Reich gab gestern seiner Hoffnung Ausdruck, dass die katholische Kirche Rücksicht nehme auf die unzähligen konfessionsverschiedenen Familien und für sie eine gute Lösung finde.

Er nehme das Anliegen des Zürcher Ökumene-Briefes zur Kenntnis, so Huonder. «Ich kann aber nicht einfach sagen, ich kann das so übernehmen.» Man werde das Problem der eucharistischen Gastfreundschaft innerhalb der Schweizer Bischofskonferenz angehen und sich voraussichtlich im nächsten halben Jahr dazu äussern. Es ist just Huonder, der in der Bischofskonferenz für den Bereich Ökumene zuständig ist.

Von Konservativen denunziert
Allerdings hat Huonder in dieser heikelsten aller ökumenischen Fragen bereits Tatsachen geschaffen und sich negativ entschieden - in einem Fall, der Zürichs Zentrumskirchen betrifft. Im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen feierten der reformierte Grossmünster-Pfarrer Christoph Sigrist und der katholische Pfarradministrator von Liebfrauen im Januar wechselseitig ökumenische Gottesdienste in ihren Kirchen. Beim Gottesdienst in der katholischen Liebfrauen-Kirche zelebrierte der Pfarradministrator die Eucharistie (Messe) und sagte, Jesus lade alle Gläubigen an seinen Tisch ein. Auch dem neben dem Altar stehenden Christoph Sigrist reichte er die Kommunion. Worauf der reformierte Pfarrer im schwarzen Talar die Hostie entgegennahm. «Aus meiner Erfahrung als Pfarrer weiss ich, dass das vielerorts so üblich und von der Basis klar gewünscht ist», sagt der Grossmünster-Pfarrer dazu auf Anfrage.
Konservative katholische Gläubige jedoch - es ist von Spitzeln die Rede - haben den Pfarradministrator bei Bischof Huonder denunziert. Worauf dieser über seinen Offizial, Joseph Bonnemain, dem Pfarradministrator einen Verweis erteilen liess, mit dem Vorwurf, er habe Gläubige vor den Kopf gestossen. Darauf angesprochen sagte Vitus Huonder gestern, ihn störe an dem Vorfall, dass eine offizielle Kirchenperson in einer offiziellen Situation so etwas getan habe. Das erwecke den Anschein der in der katholischen Kirche verbotenen Interzelebration, das heisst der gemeinsamen Feier des Abendmahls durch Geistliche verschiedener Konfessionen.
Eigentlich hätte der Pfarradministrator dieses Frühjahr zum ordentlichen Pfarrer von Liebfrauen gewählt werden sollen. Der Bischof jedoch liess ihn wissen, dass er ein weiteres Jahr probehalber als Pfarradministrator tätig sein solle. Der Vorfall im Januar dürfte allerdings kaum der einzige Grund für die Nicht-Beförderung gewesen sein.
Die katholische Zürcher Zentrumspfarrei Liebfrauen ist seit August 2006 ohne eigenen Pfarrer und hatte grosse Mühe, einen Kandidaten zu finden.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

wirklich eine traurige absurdität und perversion: das christliche abendmahl als exklusionsmittel zu missbrauchen. - (wo) leben wir hier eigentlich?