Freitag, 15. April 2011

Das Kreuz mit Karfreitag

Karfreitag ist bald und wieder einmal stellt sich die zentrale Frage nach seiner Bedeutung. Wir Christen feiern Karfreitag als (einer der) höchsten kirchlichen Feiertage - dieser Tag ist schlechthin zum Symbol der Christenheit geworden: Das Kreuz. Nicht das leere Grab, nicht ein Wunder, nicht der Regenbogen usw, nein das Kreuz.

In diesen Tagen lese ich immer wieder von Leuten, die Karfreitag nicht nur unverständlich ist, sondern gar ein Ärgernis. Hier einige Zitate

Der Psychoanalytiker Tilmann Moser, 1976 bekannt geworden durch sein Buch „Gottesvergiftung“, hinterfragt kritisch, was am Karfreitag in den Kirchen gepredigt wird: „Seltsam, seltsam, keiner von den Predigern hat je Verdacht geschöpft, dass vielleicht nicht mit uns, sondern mit dir, Gott, etwas nicht stimmt, wenn du vor lauter Menschenliebe deinen Sohn schlachten musstest“.

Der Schriftsteller Theodor Weißenborn bringt einen „fatalen Aspekt“ dieser Theologie auf den Punkt. Er schreibt: „Seit er meinen Bruder kreuzigen ließ, um sich mit mir zu versöhnen,
weiß ich, was ich von meinem Vater zu halten habe.“

Mein Kollege schreibt in seiner Predigt:

Der Kreuzestod Jesu war also nicht eine von Gott geforderte Sühneleistung, sondern die Folge seines Daseins für andere Menschen. Indem Jesus für seine Ueberzeugung in den Tod gegangen ist, hat er bezeugt, dass es auf dieser Welt Dinge gibt, für die es sich nicht nur lohnt zu leben, sondern sogar zu sterben. 

Ja, das ist so, aber ich denke:

Jesu Tod ist letztlich die Folge vom Bösen, das in uns Menschen ist, damals wie heute: Menschen streben damals wie heute nach Macht, und wenn sie an der Macht sind, dann wollen sie diese, damals wie heute, um keinen Preis hergeben. Sie gehen soweit, dass sie andere vernichten, egal welche Gesinnung sie haben, ja sogar dann, wenn sie eine christliche Gesinnung haben. So sind nicht nur Kriege entstanden, so entstehen auch, damals wie heute, die vielen gemeinen und hinterhältigen Feindseeligkeiten. Heute nennen wir das Mobbing, ein Fremdwort, weil wir damit nicht mehr an die Realität dahinter denken müssen. Jesus stirbt nicht einen Opfertod für uns, sondern er stirbt mit uns den Tod, den wir selber erleiden und auch anderen zufügen.

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