Mittwoch, 24. September 2014

Abschiedsrede

Hier eine feinfühlige Verdankung / Abschiedsrede, die zwar so publiziert wurde, ich aber dennoch etwas anonymisiert habe.

"Lieber Max Muster, geschätzte Anwesende
Es ist höchste Zeit, weil gleich sitzt da vorne wahrscheinlich ein Anderer. Es ist meine Aufgabe, deine Arbeit, Max Muster, als Präsident der Amtszeit von zu verdanken und ich möchte Dir und ihnen allen dazu zunächst ein Comic zeigen.

Die Peanuts werden die meisten hier kennen. Das sind kurze Geschichten in vier Bildern, die oft mehr sagen als so manche Predigt von fünf Seiten.

Linus sagt: "Schülersprecher? Ich?", seine Schwester Luzie: "Warum nicht? Ich leite deine Kampagne", Linus: "Ich schaff das nie im Leben… Denk an all die Arbeit… Denk an die Verantwortung…", Luzie: "Denk an die Macht." und Linus: "Ich mach's!!"
Dieser Comic zeigt nicht, wie Max Muster funktioniert und wie er seine Arbeit als Präsident verstanden und gemacht hat, er zeigt ganz genau das Gegenteil.
Max Muster hat sich nie aufgedrängt, höchstens durch sein klares, analytisches Denken.
Er hatte keine riesengrossen Zweifel, dem Amt nicht gewachsen zu sein, denn er konzentrierte sich von Anfang an auf das Wesentliche - auf seine Arbeit, und die ist ganz klar umrissen - ohne Hintergedanken.
Er scheute die Arbeit und die Verantwortung nicht und ihm ging es nie um Macht.
Dieses Amt des Präsidenten ist das höchste Amt in unserem Kanton.
Und wir hatten die letzten vier Jahre einen Präsidenten der ganz und gar den Amtsgeschäften verpflichtet war und null Machtgelüste und Geltungsdrang hatte, nicht mal versteckte - sie sind ja meistens versteckt.
Ich würd dich gerne mit dem König Salomo vergleichen (er hatte ein paar mehr Kinder als du, aber sonst…), König Salomo hat gezeigt, wie gute Macht, wenn schon, aussehen kann: Wenn sie gepaart ist mit Herz und Verstand.
Beides hat Salomo von Gott bekommen und du offensichtlich auch.
Du Max Muster bist Abgesandter seit 1990, so lange gehörst du schon diesem Verein an und du wirst ihr auch weiterhin erhalten bleiben. 
Im Vorstand warst du seit 1998.
Ab 2006 als Vizepräsident zusammen mit dem damaligen Präsidenten Bruno Irgendwas.
Ich erinnere mich noch sehr gut, weil es für mich eine der bewegendsten Zeiten war, dass und vor allem wie Bruno Irgendwas dir gedankt hat, als du in Vertretung für ihn als Vizepräsident eine Versammlung im November 2008 geleitet hast und nicht nur dafür gedankt hat, sondern dass du mit deiner tiefen Freundlichkeit zusammen mit dem Büro ihm Rückhalt gegeben hast in einer Zeit in der er sonst sehr wenig Rückhalt hatte.
Ab 2010 hast du als Präsident geamtet und du hast das mit Nachdruck getan.
Das lässt sich unschwer an der Anzahl Versammlung erkennen, die du präsidiert hast - es waren 15. Acht ordentliche und sieben ausserordentliche.
Zusammen mit der einen, die du als Vize präsidiert hast, sind das also 16 Versammlungen und damit genau 2 Amtszeiten in einer.
Ganz ruhig und souverän und mit zunehmender Lockerheit und erheiternden Bemerkungen hast du die Versammlung geleitet.
Es gibt ja einen ziemlich schrecklichen Witz über Politiker und den mute ich dir und ihnen allen jetzt auch noch zu: Ein Präsident kommt in den Himmel und wird von Petrus begrüsst. Er blickt sich um und sieht eine riesige Zahl von Uhren. Der Präsident fragt Petrus, was das bedeuten soll. "Nun, jede Kirche hat eine Uhr. Wenn die Versammlung eine Fehlentscheidung trifft, rücken die Zeiger ein Stück weiter." Der Präsident schaut noch einmal in die Runde und fragt dann:" Und wo ist die Uhr unserer Kirche?" "Ja", meint Petrus, "die hängt in der Küche als Ventilator!"
Du warst dir nicht zu schade, Max Muster, dich zu entschuldigen, wie gerade eben auch, wenn du meintest, einen kleinen Fehler im Leiten der Versammlung begangen zu haben.
Aber was dich auch auszeichnet: Du hast manchmal während der laufenden Amtsdauer, manchmal später, präzise nachgeforscht und meistens - das muss ich jetzt einfach sagen – war's eben doch richtig, wie du’s gemacht hast.
Mit deiner präzisen Vorbereitung hast du vor allem das Haupttraktandum der ausserordentlichen Versammlung - unsere neue Ordnung - so souverän geleitet.
Du warst als Präsident in dieser Zeit ein Glücksfall für unsere Versammlung, ich könnte besser sagen: ein Segen.
Im Übrigen auch für das Büro - die Zusammenarbeit mit dir war wirklich richtig schön - auch in den letzten Wochen und Monaten. 
Das Vorstand und vor allem auch du hast da einiges einstecken müssen…
Der Dichter Stefan Zweig hat 'mal geschrieben: Es geht nicht um Gewinnen oder Verlieren, sondern um die Haltung.
Das denke ich auch.
Deine Haltung war zu jeder Zeit aufrecht und klar.
In letzter Zeit, wir haben es gehört, waren einige nicht einverstanden, fehlende Transparenz wurde bemängelt.
Seit ich im Vorstand bin, war nie mehr Transparenz. Und in anderen Kirchen ist es auch nicht so. Da haben sich einfach die Bedürfnisse bei uns geändert und über die Gründe dafür lässt sich nur mutmassen.
Ich denke, es ist gut, dass der Präsident nach vier Jahren Amtszeit nicht sofort wieder wählbar ist und dass man aufhören kann, bevor die Wunden zu gross werden.
Aber nun möchte ich dir im Namen von uns allen ganz herzlich danken für die viele Arbeit, die du dir gemacht hast, für die Leitungsverantwortung, die du übernommen hast, für deinen Dienst an unserer Kantonalkirche.
Und ich möchte dir danken für deine Haltung, dein Rückgrat und für viel Menschlichkeit.
Denn ich glaube das vor allem zählt bei Gott.
Und das ist wichtiger als jedes Amt.

Danke Max Muster

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